Vize-Landrat Rainer Wallmann kritisiert Einsparungen des Landes bei der Ausgleichszulage

Kürzung schadet Landwirten

+
86 Prozent der Flächen im Werra-Meißner gelten als benachteiligt. Die Ausgleichszahlungen hat das Land im vergangenen Jahr um etwa die Hälfte gekürzt.

Eschwege. Vize-Landrat und Landwirtschaftsdezernent Rainer Wallmann (Grüne) kritisiert die Kürzungen der Ausgleichzulage für die Landwirtschaft im Werra-Meißner-Kreis.

Die massiven Einschnitte verursachten tiefgreifende Veränderungen der Landbewirtschaftung im Kreis, schreibt Wallmann in einem Brief an Hessens Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich. Für einzelne Betriebe sei die Auszahlung im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 11 000 Euro gesunken.

Um rund die Hälfte im Vergleich zu 2010 hat das Land Hessen die Ausgleichzulage im vergangenen Jahr gekürzt. Statt über zwei Millionen Euro (2010) wurden 2012 nur noch 940 000 Euro an die Bauern im Kreis überwiesen. Das Geld wurde bisher gezahlt, um die Landwirtschaft in benachteiligten Gebieten flächendeckend zu erhalten. Kriterien dafür sind Höhenlage, Hangneigung, Klima, Erreichbarkeit oder eine geringe Bodenqualität.

Der Werra-Meißner-Kreis verfügt über eine landwirtschaftliche Nutzfläche von etwa 39 000 Hektar, von der 86,2 Prozent als benachteiligt eingestuft sind. Über 80 Prozent der Landwirte im Werra-Meißner-Kreis werden durch die Ausgleichszulage gefördert. Die Qualität der Ackerflächen im Werra-Meißner-Kreis ist besonders schlecht. Die landwirtschaftliche Vergleichszahl (LVZ) aller benachteiligten Gemarkungen des Werra-Meißner-Kreises liegt im Durchschnitt bei 20,77. Zum Vergleich: Waldeck-Frankenberg liegt bei 23,5, der Vogelsbergkreis bei 24,2, der Landkreis Fulda bei 22,2 und der Nachbarkreis Hersfeld-Rotenburg bei 24,8. In den Höhenlagen der Mittelgebirgslandschaft im Kreis wird die Bewirtschaftung noch schwieriger. Landwirte, die dort ihre Flächen haben, trifft die Kürzung besonders hart. In Gemarkungen mit hohen Anteilen an Extensivgrünland müssen Bauern in Hessisch Lichtenau mit einem Rückgang der Ausgleichszulage um 65 Prozent, in Ringgau und Großalmerode sogar bis 69 Prozent rechnen. „Einige Betriebe werden dadurch in den Bereich des wirtschaftlichen Existenzminimums geraten“, hat Wallmann der Ministerin geschrieben. Weitere reduzierte Zahlungen auf diesem niedrigen Niveau könnten viele Landwirte nicht verkraften. Wallmann fordert die Ministerin auf, bei den kommenden Auszahlungen der Ausgleichszulage die Prioritäten deutlich stärker zugunsten der Mittelgebirgslandwirtschaft zu setzen, um den Verhältnissen im Werra-Meißner-Kreis gerecht zu werden. (ts)

Kommentare