Kultursommer Nordhessen: Berliner A-capella-Band Onair überzeugt mit ihrem Auftritt

Eschwege. Wem das Vokal-Ensemble „Onair" bisher noch nichts gesagt hat, muss sich keine Gedanken machen: Die Band gibt es erst seit 2013. Der Auftritt im Eschweger E-Werk legt aber nahe, dass man sich spätestens jetzt mit der Band beschäftigen sollte.

Denn seit 2013 haben die sechs Sänger einen rasanten Senkrechtstart hingelegt und gleich bei ihren ersten Auftritten auf dem Arhus Vocal Festival in Dänemark und dem Wettbewerb „vocal.total“ in Graz die Konkurrenz alt aussehen lassen. Also hat der Kultursommer Nordhessen sofort zugegriffen und präsentierte die A-capella-Band in seinem Sommerprogramm nun auch in Eschwege im E-Werk.

Und der Eindruck bestätigt sich. „Onair“ scheinen das Genre ein wenig zu revolutionieren. Wer die sechs Musiker aus Berlin einmal gehört hat, der wird sie so schnell nicht wieder vergessen können. Vorausgesetzt natürlich, man mag die Musikrichtung. In ihren Arrangements bekannter Stücke und Eigenkompositionen vermischen sich Elemente des Jazz mit Pop und Elektronik. So präsentieren sie Trude Herrs „Morgens immer müde“ als Dub-Step, hauchen dem alten Lied damit wieder neues Leben ein. Sie wagten sich an Rock-Klassiker wie „The Show must Go On“ von Queen - den opulenten Soundteppich ganz ohne Instrumente erzeugen zu wollen, ist ein Wagnis. Denn hier heißt es aus allen Rohren zu feuern. Doch es geling ihnen scheinbar mühelos.

„Es macht uns einfach Spaß, mal etwas Krach machen zu können“, gibt der Rock-Tenor André Bachmann zu. Immerhin machte er seine ersten musikalischen Gehversuche in einer Thrash-Metal-Band. „Doch wir möchten ausloten, was man mit der Stimme alles anstellen kann.“ Das Gute ist - was sicher zu ihrem Erfolg beiträgt - dass sie nicht brav nachsingen, sondern den Titeln jeweils ihre ganz eigenen Stempel aufdrücken.

Ein gute Wahl war es in diesem Sinne, einem Publikums-Wunsch nachzugeben und „Teardrop“ von Massive Attack zu arrangieren. Atmosphärisch dicht und betörend elegisch gehörte die Nummer zu den herausragenden Leistungen an diesem Abend und ließ gute alte Erinnerungen an den Sound von Mila-Mar aufkommen - inklusive der dazu gehörenden Gänsehaut. Obwohl der Kreis der herausragenden Leistungen, die „Onair“ zeigte, eigentlich groß war.

Er reichte von „The Pretender“ von den Foo-Fighters über „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin bis hin zu einer im Grunde simplen Dance-Nummer wie „Get Lucky“, der die Vokalisten aber mit einem neuen Arrangement Substanz verlieh. Wer den Auftritt im E-Werk nicht erlebt hat, hat tatsächlich etwas verpasst.

Mehr zum Thema

Kommentare