Asylbewerber in Eltmannshausen lernen Deutsch – Bürgerstiftung spendet 1000 Euro

Kurse gegen ein Babylon

Verschiedene Kulturen treffen aufeinander: Olga Kopshteyn und ihr Sohn Oleg Kotlyarov helfen den Asylbewerbern in Eltmannshausen nicht nur bei der Sprache, sondern auch bei alltäglichen Problemen. Fotos:  Deppe

Eltmannshausen. Wenn Somalier, Syrer, Eritreer und Iraker gemeinsam in einem Haus leben, ist ein babylonisches Sprachenwirrwarr vorprogrammiert. Wenn Sozialarbeiterin Olga Kopshteyn und ihr Sohn Oleg Kotlyarov die Bewohner des Asylbewerberheimes Eltmannshausen zum Deutschkurs zusammenrufen, kommen noch drei weitere Sprachen hinzu.

Bei den zweimal wöchentlich stattfindenden Sprachkursen steht nämlich nicht nur das Deutschlernen im Fokus der beiden Lehrer, auch Verhaltensweisen und der Umgang mit Behörden oder Ärzten werden geübt. Dafür erklärt Olga Kopshteyn zunächst alles auf Deutsch, bespricht sich auf Russisch mit ihrem Sohn, der für die Bewohner ins Englische übersetzt. Wichtige Schlagworte bleiben aber auch dabei im Deutschen. Befremdlich anmutende Sätze wie „The Sozialamt will help you“ oder „Kaltmiete includes no extras“ fallen immer wieder. Diese Begriffe hat die Sozialarbeiterin groß auf bunte Blätter gedruckt und hält sie bei ihren Erklärungen in die Luft, um deren Bedeutung zu unterstreichen.

Seit dem 1. November werden die etwa zweistündigen Kurse von der Arbeiterwohlfahrt angeboten, etwa 20 Bewohner nehmen daran Teil und verfolgen interessiert die Erklärungen. Immer wieder fragen sie nach und lassen sich beispielsweise bürokratische Vorgänge detailliert erklären. Für manche steht in Kürze der Umzug aus dem Heim in eine eigene Wohnung an. Das erfordert viele Behördengänge, auf die sie sich gut vorbereiten wollen. „Manche lernen das wirklich schnell“, sagt Oleg Kotlyarov, der eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten absolviert hat.

Neben Bürokratie stehen auch deutsche Traditionen auf dem Lehrplan. So feiern einige der Bewohner keine Geburtstage, bei vielen ist einfach der erste Januar als Ehrentag eingetragen. „Da versuchen wir dann den Bewohnern auch ein Gefühl für ihre Individualität zu vermitteln“, sagt Kopshteyn. Um dafür Bewusstsein zu schaffen, werden die Bewohner Ende des Monats für die Geburtstagskinder gemeinsam Kuchen backen.

Bürgerstiftung spendet

Da es für das Angebot keine staatliche Förderung gibt, hat die Bürgerstiftung Eschwege die Awo mit 1000 Euro unterstützt. „Wir wünschen uns, dass die Flüchtlinge spätestens nach einem Dreivierteljahr hier eigenständig leben können“, sagt der Kreisvorsitzende Karl Jeanrond. „und die Sprache hilft natürlich immens.“

Von Lasse Deppe

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