Fahrlässige Körperverletzung

Landgericht bestätigt Käfigkampf-Urteil

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Das Opfer: Kadir Varol, inzwischen 23 Jahre alt, wartet auf diesme Bild von Ende 2011 im Amtsgericht Eschwege auf den Prozessauftakt. Er leidet nach einen folgenreichen Käfigkampf im Jahr 2006 an einer Querschnittslähmung.

Kassel/Eschwege. Im so genannten „Käfigkampf“-Prozess hat das Kasseler Landgericht den Schuldspruch gegen einen früheren Eschweger Fitness-Studio-Betreiber am Mittwoch bestätigt.

Die Berufungskammer befand, der heute 31-Jährige habe sich der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht als er im Mai 2006 zwei Jugendliche in einem Freefight gegeneinander antreten ließ. Einer der jungen Männer hatte bei dem Kampf drei Wirbelsäulenbrüche erlitten. Er sitzt seitdem im Rollstuhl.

Auch an der im Januar vom Amtsgericht Eschwege verhängten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Euro hatte das Landgericht nichts auszusetzen. Der Angeklagte hatte sich zuvor eher spärlich zu seinen aktuellen Einkommensverhältnissen geäußert: Er sei arbeitslos, lebe in Offenbach und werde von seiner Freundin unterstützt, sagte er. Er plane, sich selbstständig zu machen.

Seine Finanzen sind auch für Schadenersatzzahlungen von Belang, die ein Zivilgericht dem Geschädigten zugesprochen hat. Gemeinsam sollen der Studio-Betreiber und der Kampfgegner dem nun behinderten jungen Mann 250.000 Euro zahlen. Er habe noch keinen Cent davon gesehen, sagte der 23-Jährige am Rande der Verhandlung.

Er war 16 Jahre alt gewesen, als er in dem Eschweger Studio in einem Metallkäfig gegen einen 17-Jährigen antrat. Er selbst habe eine Woche zuvor schon im Käfig gekämpft, sagte der Geschädigte aus. Der Gegner habe seines Wissens keine Erfahrung im Freefight gehabt. In dem kurzen Kampf hatte der 17-Jährige den Geschädigten mit einer verbotenen Technik kopfüber gehalten und dann dessen Kopf mit Wucht zu Boden gebracht. Ein Video der brutalen Szene wurde im Gerichtssaal gezeigt. Seine Arme könne er inzwischen wieder voll bewegen, sagte der 23-Jährige aus. Bei der Lähmung der Beine werde es aus Sicht der Ärzte bleiben.

Die Verteidigung hatte einen Freispruch des Studio-Betreibers erreichen wollen. Der Geschädigte habe sich „aus freien Stücken“ zum Kampf entschlossen und das Risiko gekannt, argumentierte sie. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Löffler hielt dagegen: „Es geht einfach nicht, dass man Käfigkämpfe mit 16-Jährigen veranstaltet!“ Statt seiner besonderen Verantwortung für die Jugendlichen gerecht zu werden, habe der 31-Jährige auch noch mit Preisgeldern gelockt.

Gegen das Urteil kann der Angeklagte in Revision gehen. (kaj)

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