Anne Christine Alfter legt die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit im Spätherbst vor

Leben mit der NS-Ideologie

Eschwege im Nationalsozialismus: Die Historikerin Anne Christine Alfter setzt sich mit dem Leben in Eschwege während der Naziherrschaft auseinander. Über die Arbeit entsteht ein Buch. Foto: Sagawe

Eschwege. In einigen Monaten wird Anne Christine Alfter ihre Forschungsarbeit über die Kreisstadt Eschwege während des Nationalsozialismus vorlegen.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kasseler Geschichtsprofessors Dr. Winfried Speitkamp, der von der Kreisstadt mit der Untersuchung beauftragt worden war, präsentiert die Zusammenfassung ihrer zweijährigen Recherche im Spätherbst. Ein rund 200-seitiges Buch wird dann Aufschluss über die Rolle Eschweges während der Naziherrschaft geben.

„Zentrale These der Studie ist, dass in einer Kleinstadt wie Eschwege Nationalsozialismus und lokaler Pragmatismus koexistieren konnten“, erklärt Anne Christine Alfter ein Ergebnis ihrer Forschungsarbeit. Der Nationalsozialismus sei keine starre Ideologie, sondern ein Gemenge von nationalistischen und rassistischen Gedanken gewesen, die von unterschiedlichen Trägern immer neu zusammengemischt worden seien.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte die Arbeit in Auftrag gegeben, nachdem die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit Dr. Alexander Beuermanns, der während der NS-Zeit Bürgermeister in Eschwege war, dazu geführt hatte, eine Straße umzubenennen, die seinen Namen trug. In Zusammenhang damit war der Wunsch nach umfassender Recherche zu diesem Thema entstanden.

Der Nationalsozialismus habe sich auch örtlich Gehör verschaffen und Anhänger finden können, schlussfolgert Alfter, die ihre lokalen Ziele damit hätten verwirklichen wollen und deshalb dem neuen Regime zuarbeiteten. „Die Selbstverständlichkeit, mit der die nationalsozialistische Ideologie dabei in Verwaltung und Gesellschaft einsickerte, weist für Eschwege nach, dass diese Koexistenz und Verflechtung von nationalsozialistischen Einflüssen und lokalem Pragmatismus die Illusion von Kontinuität und lokalem Eigeninteresse bestärken und das Regime stabilisieren konnte“, heißt es in einer Zusammenfassung der Historikerin.

Die Studie zeige, wie Kleinstadtleben in dieser Zeit funktioniert habe, wie personelle und institutionelle Verflechtungen und die daraus resultierenden Handlungen die Existenz in einer Phase des politischen Ausnahmezustandes ermöglicht hätten.

Von Harald Sagawe

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