Widerspruch gegen Protest: Flur sei kein Aufenthaltsraum

Leiter im Seniorenheim lässt Heizung abdrehen

Streit um Treffpunkt: Wilfried Kiphenn, Renate Streitberger und Karl-Heinz Tonnius fühlen sich um die Gemütlichkeit ihrer abendlichen Treffen gebracht. Die Thermostatregler der Heizung (Hintergrund) wurden abgedeckt und können nicht mehr bedient werden. Foto: Sagawe

Eschwege. Ärger im Seniorenheim an der Döhelstraße in Eschwege: Bewohner kritisieren, dass man die Heizung in einem der Räume nicht mehr regulieren könne. Die Heimleitung widerspricht: Bei dem Raum handele es sich um einen Flur, der nicht dazu da sein, sich darin aufzuhalten.

„Hier läuft einiges schief“, sagt Karl-Heinz Tonnius und zeigt auf die Heizkörper hinter der Sitzgarnitur. Die Thermostatregler können nicht mehr bedient werden. Eine vorgeschraubte Platte versperrt den Zugriff. Karl-Heinz Tonnius lebt im Wohnheim der Arbeiterwohlfahrt an der Döhlestraße in Eschwege. Bis vor einiger Zeit traf er sich mit anderen Bewohnern der Einrichtung in dem Vorraum zum abendlichen Plausch.

„Das geht jetzt nicht mehr“, sagt Tonnius und zeigt auf das Thermometer, das frische 14 Grad Celsius anzeigt. Der Vorraum mit seinen gemütlichen Sitzmöbeln sei nicht mehr nutzbar, weil die Heizung abgedreht worden sei und der Zugriff auf die Regler versperrt ist. Ein anderer Bewohner habe das mit Duldung der Heimleitung getan, vermuten Tonnius sowie seine Mitstreiter Renate Streitberger, Wilfried Kiphenn und Walter Maier.

Einen gemütlichen Platz für Treffen gebe es jetzt nicht mehr, der einzige Gemeinschaftsraum sei der riesige Speisesaal. „Der hat den Charme einer Eisdiele“, sagt Renate Streitberger. Dem widerspricht Heimleiter Christian Heller: „Wir haben hier eine ganze Reihe von Aufenthaltsräumen.“ Der Vorraum sei nicht als solcher gedacht, sondern ein Flur. Heller bestätigt, dass die Manipulation der Heizung auf seine Anweisung geschehen sei. „Wir mussten hier etwas tun“, sagt er. An den Thermostatreglern sei ständig gedreht worden. „Die Nutzer der Sitzgruppe haben die Heizung hoch geregelt, andere Bewohner wieder herunter.“ Während eine kleine Gruppe den Flur unautorisiert auf Wohnzimmertemperatur aufheize, müsse die Allgemeinheit die zusätzlichen Energiekosten mitbezahlen. Dagegen habe sich Protest geregt. Das müssten auch die verstehen, die sich jetzt beschwerten. „Ich kann auch nicht ins Rathaus gehen und dort an der Heizung drehen“, so Heller. Eine Temperatur von 14 Grad hält aber auch er für zu niedrig und will nachbessern.

„In unseren Zimmern können wir uns auch nicht treffen“, sagt Wilfried Kiphenn, „die sind viel zu klein.“ Die Gruppe um Karl-Heinz Tonnius fühlt sich um die abendliche Geselligkeit gebracht und auch sonst gegenüber anderen Bewohnern benachteiligt. „Im Garten wurden feststehende Pavillons erstellt, die nur von ausgesuchten Bewohnern genutzt werden dürfen“, klagt der 74-Jährige.

Auch hier widerspricht Heller. Die Pavillons - einer in Holzbauweise, der andere eine Metallgestängekonstruktion mit Plane - seien zwar von einigen Bewohnern in Eigeninitiative gebaut und zum Teil auch selbst finanziert worden, stünden aber allen Senioren offen. Heller: „Die Herrschaften, die sich jetzt beschweren, sind Neider, die den anderen Bewohnern deren ehrenamtliches Engagement nicht gönnen.“

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