Ergreifende Aufführung von Gerhart Hauptmanns Novelle „Bahnwärter Thiel“

Liebe, Geburt, Sterben

Immer pflichtbewusst und zuverlässig: Thiel (Dieter Salzmann) bedient die Bahnschranke. Foto: Pujiula

Eschwege. Auf der Bühne wird geliebt und geboren, gestorben und getötet, alles begleitet von wenigen Worten: Die starken Bilder alleine schaffen eine ergreifende Atmosphäre. Das Junge Theater Eschwege hat „Bahnwärter Thiel“, die Novelle des jungen Gerhart Hauptmann, in einer eigenen Bühnenadaption aufgeführt. Premiere war einmal mehr im E-Werk. Und das Publikum, das wie gebannt und mit zunehmender Betroffenheit das Geschehen auf der Bühne verfolgte, erlebte hervorragendes Theater. Alles war stimmig und klar. In einer knappen Stunde wurde die Handlung der Novelle in verdichteter und doch glaubwürdiger Form dargestellt.

Eine tragische Geschichte vom menschlichen und psychischen Verfall des pflichtbewussten, gläubigen Bahnwärters Thiel, der am Schluss seine zweite Frau und das gemeinsame Baby tötet und in der Irrenanstalt der Charité landet.

Margot Flügel-Anhalt, die zusammen mit dem Ensemble die Novelle für die Bühne bearbeitet hatte, führte die Laienschauspieler zu einer überzeugenden, dem Geist der Novelle adäquaten Aufführung. Eine ausgezeichnete Regiearbeit voll feiner Nuancen, wie die erste Begegnung von Thiel mit Minna - eine Bilderfolge, die sich auch bei der zweiten Frau wiederholt -, ähnlich und doch ganz anders. Kleine Details, die diese Aufführung bereicherten.

Von den einzelnen Schauspielern sei als erster Dieter Salzmann erwähnt, der die Titelrolle mit ergreifender Natürlichkeit spielte und so ein eindruckvolles Psychogramm von dieser zunehmend von Träumen und Visionen heimgesuchten Gestalt zeichnete. Nelli Strieder war bezaubernd in ihrem kurzen Auftritt als Minna. Karin Perels spielte die keifende, zänkisch-boshafte Lene laut und eindringlich. Und eine besondere Erwähnung verdient auch das Kind Luca Siepmann, mitreißend als Thiels Sohn Tobias.

Auch der Rest des Ensembles glänzte in den wirkungsvoll arrangierten Einsätzen im optischen Rahmen eines gelungenen Bühnenbildes von Heiko Alsleben und Sebastian Perels, der auch für die wirkungsvoll eingesetzten Filmaufnahmen verantwortlich war. Die Begeisterung des Publikums drückte sich aus in einem lauten Bravo und im langen Schlussapplaus, der allen Mitwirkenden galt.

Die nächsten Aufführungen von Bahnwärter Thiel finden statt am 8., 9., 16. und 23. März im E-Werk um 20 Uhr.

Von Francisco Pujuila

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