Mahnwache für Menschenrechte am Eschweger Stad

Eschwege/Wanfried. Die Initiative für eine gemeinsame Welt (IGW), das Lampedusabündnis Werra-Meißner, der Friedenswinter 2014/15 und die Initiative Black&White rufen für morgen zu einer Mahnwache in der Eschweger Fußgängerzone auf. Anlass ist die Unterzeichnung der UN-Charta für Menschenrechte vor 66 Jahren. Die Kundgebung beginnt um 17 Uhr.

Anschließend wird in der Aula der Volkshochschule über das Thema diskutiert. „Wir protestieren dagegen, dass die Staaten der Welt nicht die Menschenrechte respektieren, die sie uns allen weltweit am 10. Dezember 1948 zugesichert haben“, sagt Organisator Wolfgang Lieberknecht aus Wanfried. Das Recht auf Leben, auf Frieden, auf Arbeit und soziale Sicherheit, Schutz der von Gewalt bedrohte Menschen durch Asyl, auf Ernährungssicherheit, Gesundheitsversorgung und Bildung sowie demokratische Selbstbestimmung sei ein Grundrecht. „Wir akzeptieren nicht, dass die Politik sich nicht einer Entwicklung entgegenstellt, die die Reichsten dieser Welt immer reicher macht“, sagt Lieberknecht weiter. Die 85 reichsten Menschen besäßen inzwischen so viel wie 3,5 Milliarden Menschen – die Hälfte der Menschheit. Gleichzeitig würden Milliarden Menschen von weniger als einem Euro am Tag leben. Jeder neunte Mensch hungere, viele hätten immer noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Gesundheitsversorgung. Der Klimawandel drohe diesen Zustand noch zu verschlimmern und vor allem die Ärmsten zu treffen, die am wenigsten für ihn verantwortlich sind. Mit Protestplakaten Außerdem wollen die Initiativen gemeinsam für Frieden demonstrieren. Um 17 Uhr treffen sich alle Aktivisten in der Eschweger Innenstadt an der Ecke Stad/Forstgasse. „Wenn möglich, sollen die Teilnehmer auch mit Friedensfahnen und Protestplakaten kommen, um gegen die Menschenrechtsverletzungen, die ihnen am meisten am Herzen liegen, zu protestieren“, schlägt Lieberknecht vor. Um 19 Uhr informieren und diskutieren die Teilnehmer im Saal der Volkshochschule Werra-Meißner, Vor dem Berge 1, wie sie weiter vorankommen können. Bei den Aktionen trommelt die Musikgruppe Black&White aus Wanfried. (ts)

Der Tag der Menschenrechte

Am 10. Dezember 1948 verabschiedeten die Mitglieder der Vereinten Nationen ihrer Vollversammlung einstimmig die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Daran erinnert der von den Vereinten Nationen festgesetzte Menschenrechtstag am heutigen 10. Dezember. Die Bedeutung dieser Erklärung für unsere aller Leben ist vielen nicht bewusst, viele haben davon nie erfahren, auch viele Politiker nicht, denn eigentlich haben die Staaten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als ihre gemeinsame Verfassung beschlossen. Ihre Rechte stehen allen Menschen der Welt zu.

Diese unsere Verfassung geht davon aus, dass wir eine gemeinsame menschliche Familie sind. Jedes Mitglied dieser menschlichen Gemeinschaft hat Grundrechte, nur weil er Mensch ist. Niemand darf davon ausgeschlossen werden wegen seiner Hautfarbe, Religion, seiner Nationalität. Anspruch auf diese Rechte haben Frauen und Männer gleichermaßen auch die Menschen auch den armen Staaten der Welt. Es ist die Pflicht von uns allen und allen Staaten, dafür zu sorgen, dass alle Menschen weltweit ein Recht auf Leben haben, auf Gesundheitsversorgung, Bildung, soziale Sicherheit, menschenwürdige Arbeit und alle demokratischen Freiheiten. Die Erklärung fordert Frieden und einen geschwisterlichen Umgang der Menschen miteinander, weltweit.

Eine UN-Kommission unter Leitung von Eleonor Roosevelt, der Frau des ehemaligen US-Präsidenten, Franklin Roosevelt, hatte den Text erarbeitet. Er führt die 1945 beschlossene UN-Charta weiter aus, deren Ziel es war, durch weltweite Zusammenarbeit für immer die Geißel des Krieges von der Welt zu vertreiben. Nach ihr hat kein Staat mehr das Recht, Krieg zu führen oder Gewalt anzuwenden. Einzig der Sicherheitsrat der Vereinten Nation als gemeinsames Organ der Weltgemeinschaft hat völkerrechtlich die Macht, Gewalt anzuordnen, wenn der allgemeine Frieden bedroht ist. Staaten, so das Recht der Bürger, dürfen sie nicht mehr in Kriege schicken, sondern müssen ihre Konflikte nur mit friedlichen Mitteln lösen: Seit 1945 haben wir ein Menschenrecht auf Frieden!

Nach beiden Kriegen kam der Anstoß für eine gemeinsame weltweite Friedensordnung aus den USA. Das Land, in dem die Bürger erstmals per Vertrag ihren Staat gründeten und das Bürgerrecht auf Glück als oberstes Verfassungsziel beschlossen haben, warb für eine vertragliche Neugründung einer gemeinsamen weltweiten Organisation. Immanuel Kants Gedanken aus „Zum Ewigen Frieden“ spielten dabei eine maßgebende Rolle: So lange die Nationalstaaten nicht in der Lage sind, eine über ihnen stehende gemeinsame Einrichtung zu schaffen, die bei Streitfällen zwischen Staaten Recht spricht und durchsetzen kann, wird es immer wieder zum Krieg kommen, hatte Kant vor über 200 Jahren vorausgesagt. Ohne eine solche Vereinbarung herrschten die Gesetze des Tierreichs, in dem sich der Stärkere auch mit Gewalt durchsetze.

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