Nach vier Jahren ist die erste Anpflanzung eigens fürs Johannisfest reif zum Schlagen

Maien mit Gardemaß

Man sieht den Birkenwald vor lauter Bäumen nicht: V. li. Ulf Abhau, Uwe Gondermann, Rolf Schulz und Alexander Heppe bei der Begutachtung der ersten erntereifen Maien auf dem städtischen Acker bei Oberdünzebach. Foto: Maier

Eschwege. Im Dezember 2008 wurden auf einem 3,4 Hektar großen Feld bei Oberdünzebach 6500 Stück Betula pendula gepflanzt. Das sind gemeine Birken mit einer überschaubaren Lebenserwartung, denn sie dienen einem ganz besonderen Zweck: Zum Schmuck der Stadt und für den Maienzug beim Johannisfest werden sie benötigt.

Früher aus den Grebendorfer Bergen, später mal aus dem Schlierbach, mal vom Hundsrück bei Langenhain, jüngst sogar aus Waldkappel kamen die Maien, was manchem Dietemann nicht patriotisch genug erschien.

Jetzt trägt die Idee von 2008 Früchte, planmäßig werden heute von Ulf Abhau und seinen 30 Mitarbeitern aus der Werkstatt für junge Menschen erstmals 6000 Maien quasi aus eigener Zucht geschlagen. Festorganisator Uwe Gondermann blutet das Herz ob der gleichmäßig gewachsenen Plantage, deren Bäumchen das optimale Maß von zwei Metern für die Schülerhand bis vier Meter für den Hausschmuck haben.

Oberhalb des Grases werden sie einzeln mit der Hand geschlagen, damit Licht an die schlafenden Augen kommt, erläutert Revierförster Rolf Schulz. Das ist der verbleibende Rest, aus dem im günstigen Fall zwei bis drei neue Triebe wachsen, so dass schon in zwei bis drei Jahren der nächste Schwung geerntet werden kann. Langfristiges Ziel sei, jedes Jahr nur ein Drittel zu ernten, dann kann auf die arbeitsaufwändigen und schlecht zugänglichen anderen Schläge künftig verzichtet werden, sagt der Forstmann. Im Übrigen gebe es im Bereich des Forstamtes Wehretal noch genügend Flächen für die Jahre zwischendurch, wenn sich die Birken-Schmuckreisigkulturen, so heißen die künstlichen Anpflanzungen, erholen müssen. Um den Maiennachschub aus stadtnahen Flächen langfristig zu sichern, wird überlegt, nebenan in Oberdünzebach noch ein weiteres Feld anzulegen.

Anders verhält es sich mit dem Eichenlaub. Das gibt es ohne Ende, und die Eichenbestände werden ohnehin alle vier bis fünf Jahre durchforstet, um Licht und Luft hinein zu lassen, erklärt Rolf Schulz. Vorgestern wurden rund 900 Wellen geschlagen im Schlierbach Richtung Weißenborn.

Hier stehen alte Stieleichen, auch Deutsche Eichen genannt, deren Rinde sich die Eschweger Lohgerber zur Lederproduktion bedient haben. Dort steht auch der vertraute weiße Kühlanhänger, mit dem die insgesamt benötigten 2000 Wellen bis zur Verteilung durch die Mitarbeiter des Baubetriebshofs frisch gehalten werden. Tipp: Zweieinhalb Wellen braucht man für einen Meter Girlande.

Von Helmut Mayer

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