Manfred Kretzschmar zog vor 60 Jahren nach Eschwege

Er kam mit dem Bundesgrenzschutz - und blieb für immer

Früher und heute: Manfred Kretzschmar während seiner Ausbildung beim Bundesgrenzschutz um 1953 (unten), und heute in seinem Garten am Schindeleich in Eschwege. In seiner Freizeit ist der 79-Jährige beim SV Eschwege 07 aktiv.

Eschwege. Manfred Kretzschmar ist vor 60 Jahren mit dem damaligen Bundesgrenzschutz nach Eschwege gekommen und seitdem nie wieder fortgezogen.

Von dieser Stadt an der mittelhessischen Zonengrenze hatten Manfred Kretzschmar und seine Kollegen noch nie gehört. „Eschwege? Das mussten wir erst einmal auf der Landkarte suchen.“ Im Spätsommer 1953 war das. Als der Bundesgrenzschutz die Wehrmachtskaserne an der Langemarckstraße bezog, war Kretzschmar dabei - und ist bis heute nicht mehr aus Eschwege weggezogen.

19 Jahre war der gebürtige Leipziger damals alt. In Glücksstadt hatte er eine Ausbildung bei der elften Hundertschaft des Bundesgrenzschutzes gemacht. Gemeinsam mit Kollegen aus Mannheim bildeten Kretzschmar und sein Trupp das Kommando Mitte. Ihre Aufgabe: Entlang der Grenze des geteilten Deutschlands Streife fahren.

„Elf Stunden hat die Fahrt von Glücksstadt nach Eschwege damals gedauert“, sagt Kretzschmar, „die Fahrzeuge waren einfach so langsam.“ In der Kaserne angekommen bezog er mit fünf Kollegen eine Stube. Die Stimmung sei sehr gut gewesen, zu vielen Kollegen hat er lange Kontakt gehalten. „Jetzt ist leider keiner mehr da, den ich kenne. Ich war aber auch der Jüngste damals.“

Um 6 Uhr begannen damals die Kontrollfahrten entlang der Grenze, von Bad Lauterberg im Norden bis Hilders im Süden. Viel passiert sei damals aber nicht, sagt Kretzschmar. Ein paar Kaffeeschmuggler habe es gegeben, aber die habe man unter der Hand geduldet. Zu den Russen auf der anderen Seite der Grenze sei der Kontakt freundschaftlich gewesen. Erst als der Grenzstreifen ausgebaut wurde und auf der anderen Seite die Nationale Volksarmee der DDR aufmarschierte, sei es ungemütlich geworden. „Bei der NVA gab es damals einen Hauptmann, der hat auf alles geschossen, was sich nur bewegt hat“, erzählt Kretzschmar, „dabei war es bei uns eigentlich ein sehr ruhiges Grenzgebiet“.

Auf dem Weg nach Eschwege: Manfred Kretzschmar (ganz rechts) mit Kollegen bei einer kurzen Rast.

Lange war der heutige Ruheständler nicht beim BGS. Weil er seine schwangere Verlobte heiraten wollte, trat er 1956 aus. Eheschließungen waren den jungen Grenzschützern damals nicht erlaubt. Es folgte eine Ausbildung und ein Meister als KFZ-Mechaniker.

Beim Ehemaligentreffen am 14. September wird Kretzschmar dabei sein. „Ich bin gespannt, ob ich da dann wen kenne.“

Mit einem Festwochenende vom 13. bis 15. September erinnert die Bundespolizei an die Anfänge und die Entwicklung des Standortes Eschwege. Dabei findet am Samstag, 14. September, ab 15 Uhr ein Ehemaligentreffen im Werratalsaal, der ehemaligen Kantine des BGS, statt, Am Sonntag, 15. September, folgt ein Tag der offenen Tür in der Kaserne.

Von Lasse Deppe

Kommentare