Neujahrsempfang des Kirchenkreises

Mehr Demokratie löst Probleme

Lauschten gespannt den Ausführungen von Steffen Reiche: Fast 200 Besucher waren zum Neujahrsempfang des Kirchenkreises Eschwege in die Marktkirche gekommen. Foto: Stück

Eschwege. Dekan Dr. Martin Arnold hatte für alle eine Botschaft: „Nehmt einander an." Dabei ging der Dekan des Kirchenkreises Eschwege beim Neujahrsempfang in der Eschweger Marktkirche auf die Jahreslosung ein, die in diesem Jahr Römer 15,7 entnommen ist und ausführlich „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob" lautet.

Arnold rief dazu auf, aufeinander zuzugehen, nicht nur eigene Interessen zu verfolgen. Man solle die Meinung der anderen respektieren. Vielleicht, so fand Arnold einen aktuellen Bezug, hätten die Anschläge von Paris auf diese Weise verhindert werden können.

Als Gastredner hatte der Kirchenkreis Steffen Reiche eingeladen. Der Pfarrer und ehemalige Politiker teilte seine Gedanken im 25. Jahr der Deutschen Einheit zum Thema: „Die friedliche Revolution 1989 und die Zukunft der Globalisierung“. Reiche gründete im Oktober 1989 die Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP) und war von März bis Oktober Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR.

Globalisierung am Kreuz

Der Pfarrer ist der Meinung, dass die Globalisierung bereits am Kreuz auf Golgatha begonnen hatte, als Jesus seinen Jüngern einen Missionsauftrag erteilte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Globalisierung ins Stocken geraten und erst mit dem Mauerfall 1989 wieder voll durchgestartet. „1989 hat die Geschichte neu begonnen“, sagte Reiche vor rund 250 Gästen in der Marktkirche. In den vergangenen 25 Jahren habe sich die Welt dreimal quasi über Nacht radikal geändert. Am 9. Novenber 1989 (Mauerfall), am 11. September 2001 (World Trade Center) und am 15. September 2008 (Lehman-Pleite) wurde das Weltbild aller durcheinandergewirbelt und zu der Welt geführt, in der wir heute leben.

Neujahrsempfang des Kirchenkreises Eschwege

Reiche schlägt vor, noch mehr Demokratie zu wagen, um die Probleme in Europa und der gesamten Welt zu lösen. Die Vereinten Nationen (UN) beispielsweise, schafften das nicht. Eher sieht er die Kirchen in dieser Rolle. Sie hatten 1989 mit Gebeten und Kerzen eine friedliche Revolution herbeigeführt. „Die Kirchen könnten heute eine ähnliche Rolle spielen“, sagte Reiche.

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Von Tobias Stück

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