Tier bei Unfall am Freitag getötet

Meister Bockert kehrt heim: Biber am  Werratalsee gefunden

Hat das hessische Werratal wieder erreicht: der Biber. Jagdverbände und Naturschutzbeauftragte hoffen nun, dass sich die Tiere auch dauerhaft ansiedeln. Symbolfoto: Archiv/nh

Grebendorf. Die Biber kehren in den Werra-Meißner-Kreis zurück – diese Vermutung legt zumindest ein Fund am Nordufer des Werratalsees nah.

Jäger aus Grebendorf waren am vergangenen Freitag von der Polizei zu einem Wildunfall an der Bundesstraße 249 zwischen Grebendorf und Schwebda gerufen wurden. Vor ihnen habe ein bei dem Unfall getöteter ausgewachsener Biber gelegen, teilt Jörg Brauneis, Naturschutzbeauftragter des Jagdvereins Hubertus Kreis Eschwege, mit.

„Die Größe des Nagetieres und der mächtige, platte Biberschwanz, in der Jägersprache Kelle genannt, beseitigten jeden Zweifel“, so Brauneis. Der rein vegetarisch lebende Biber sei in Hessen schon im 18. Jahrhundert ausgerottet worden. Noch heute erinnerten die Namen vieler Städte an ehemalige Bibervorkommen, so etwa Bebra, Hofbieber in der Rhön oder Biebertal bei Gießen.

„Der Biber wurde in früheren Zeiten stark verfolgt“, sagt Brauneis. Besonders begehrt sei sein warmes, dichtes und wasserabweisendes Fell gewesen. Das Fleisch, insbesondere der an einen Fisch erinnernde, schuppige Schwanz, sei laut des Naturschutzbeauftragten im Mittelalter als Fastenspeise begehrt gewesen.

Gefunden am Werratalsee: Dieser Biber wurde bei einem Unfall am Freitag getötet. Foto: Böttner/nh

Im Jahr 1987 schließlich wurden wieder 18 von der mittleren Elbe stammende Biber an Flüsschen im hessischen Spessart ausgesetzt. Diese Biber entwickelten sich prächtig und vermehrten sich so gut, dass Jungtiere begannen, in andere Flusssysteme abzuwandern.

Inzwischen sind der Landkreis Fulda und die Wetterau besiedelt und erste Biber sind auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg und an der Fulda in Kassel aufgetaucht.

Herkunft des Bibers unklar

Ob der am Werratalsee überfahrene Biber von der Fulda her ins Werratal gekommen ist oder über die thüringische Werraaue, müsse zunächst ungeklärt bleiben, sagte Brauneis. Dass sich der Biber den Werratalsee für seinen Ansiedlungsversuch ausgesucht habe, zeige aber deutlich, wie wertvoll der Lebensraum am Werratalsee für ans Wasser gebundene Tiere ist.

„Wir Jäger freuen uns, dass Meister Bockert – so wird der Biber in der Fabel genannt – das hessische Werratal wieder erreicht hat“, sagte Rainer Stelzner, Vorsitzender des Jagdvereins. Er sei eine Bereicherung für den an Gewässern so reichen Werra-Meißner-Kreis. „Wir hoffen, dass es nicht der einzige Biber bleibt und sich die Tiere wieder dauerhaft ansiedeln.“ (red/esp)

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