Mekka der Puppenmütter

Sammler und Kreative trafen sich zu Puppentagen in Eschwege

Kobolde im Kommen: Im Unterschied zu Puppen, die aus Bausätzen hergestellt und bemalt werden, werden Künstlerpuppen, wie dieser Kobold von Elke Roder, aus einer Knetmasse selbst modelliert und damit eigenständige Kreationen geschaffen. Fotos: Weber

Eschwege. Uschi Sprung aus Neustadt in Franken ist Lkw-Fernfahrerin und Sammlerin von sogenannten Rebornpuppen. Als sie vor drei Jahren nach einem Unfall auf Krücken laufen musste, wollte sie nicht untätig herumsitzen, sondern die Auszeit zu nutzen, um die Babypuppen von nun an selbst zu gestalten.  Auf den Puppenfesttagen in der Eschweger Stadthalle stellte sie ihre Lieblinge aus und bot sie zum Verkauf an.

Die Fans der Puppenszene können vorgefertigte Bausätze aus Kunststoff kaufen und diese bemalen. Auch Monika Schönfeld kam über die Sammelleidenschaft zur Puppenherstellung. „Bei den Rebornpuppen kommt es darauf an, dass die Babys möglichst lebensecht gestaltet werden“, sagt sie. „Durch sein Geschick kann jeder Künstler die Puppe ganz individuell gestalten. Es können zehn Künstler den gleichen Bausatz bearbeiten und es kommen zehn unterschiedliche Babys dabei heraus.“ Glasaugen und feines Mohair-Haar, das einzeln in das Plastik eingepflanzt wird, verleihen den Babys einen Hauch Lebendigkeit, auch Details, wie der Storchenbiss oder durch die Haut schimmernde Adern. Nicht zuletzt können dann auch individuelle Babybekleidungen für die Puppen gestrickt werden.

Zum 20. Mal trafen sich die Puppenmütter und Puppenväter in Eschwege. Mittlerweile ist das Treffen, das von Leokadia Wolfers organisiert wird, die größte Messe für Rebornpuppen in Deutschland. Auch Teddybären und Nachbauten von historischen Puppen werden hier gezeigt und angeboten. Inzwischen ist der Puppentrend zwar wieder rückläufig, in Eschwege allerdings machen die Kreativen immer noch gute Geschäfte.

Entwickelt hat sich die Puppenszene aus dem Sammeln von historischen Porzellankopfpuppen. „Eigentlich sind Puppen früher immer Kinderspielzeug gewesen“, sagt die Expertin für alte Puppen, Uta Echstein. „Die Rebornpuppen heute sind jedoch eher Spielzeug für Erwachsene.“ Da die ganz alten Puppen, die etwa vor 1900 hergestellt wurden, heute unbezahlbar sind, werden auch Kopien für weniger gut betuchte Sammler angeboten. So zeigte Rosemarie Nuhi eine Nachbildung, deren Original kürzlich in den USA für 270 000 Dollar versteigert worden war.

Von Kristin Weber

Puppentage in der Eschweger Stadthalle

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