Vor 25 Jahren: 87. Deutscher Wandertag fand in vier Städten im Werraland statt

Das Mekka der Wanderer

Ein Meer von Wanderfreunden: Zur Kundgebung nach dem Festzug mit Bundesumweltminister Dr. Klaus Töpfer bevölkerten fast 15 000 Menschen die Torwiese in Eschwege. Fotos: Dunkel/Stadtarchiv Eschwege

Werra-Meißner. Es war die bedeutendste und größte Veranstaltung in der Geschichte des Werratalvereins 1883 und auch eine der publikumsstärksten in der Region überhaupt: 1987 fand im Werraland der 87. Deutsche Wandertag statt. Vom 23. bis zum 27. Juli waren Tausende Wanderer zu Gast, allein zum Festzug am Sonntag kamen 15 000 Menschen.

Ausgerichtet wurde der Deutsche Wandertag vom 1883 gegründeten Werratal-Hauptverein, der damals wegen der innerdeutschen Grenze mit elf Zweigvereinen nur in Hessen und in Niedersachsen aktiv sein konnte. Im Juli 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, hatte schon ein Deutscher Wandertag in Eschwege stattgefunden. Damals kamen 100 Funktionäre samt Anhang mehr oder weniger nur zur Hauptversammlung des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine.

Die Hauptlast der Organisationsarbeit lag auf den Schultern des Hauptvorsitzenden Otto Bevern, seines Hauptgeschäftsführers Erwin Herbst, des Hauptwanderwarts Siegfried Desenritter (alle Eschwege) und des Hauptwegewarts Gerhard Böcker (Bad Sooden-Allendorf). Zudem war der Amtsleiter Ullrich Krüger in der Eschweger Stadtverwaltung stark eingebunden.

Aber auch die WTV-Zweigvereine wirkten intensiv mit, boten insgesamt knapp 100 Einzelveranstaltungen – Führungen, Ausstellungen, Vorträge, Geselliges und Kulturelles – an, leiteten 40 geführte Tageswanderungen, Ausflüge und Exkursionen und kümmerten sich teilweise auch um das Unterbringen von Wanderern, die aus ganz (West-) Deutschland angereist waren.

In allen Hauptorten fanden herausragende Veranstaltungen statt: Es begann in Hann. Münden mit der „Voreröffnung“ mit Bundesgesundheitsministerin Rita Süßmuth. Später fand im Rathaus der Dreiflüssestadt noch ein feierlicher Empfang für 200 Repräsentanten von fast 170 Gebirgs- und Wandervereinen statt.

In Witzenhausen erfolgte der Eröffnungs-Festakt im Bürgerhaus, in Bad Sooden-Allendorf wurde der Wimpelwandergruppe aus Koblenz, dem Ausrichter des Vorjahres, ein begeisterter Empfang bereitet.

Und Eschwege war Schauplatz der Delegiertenversammlung, eines „Wanderer-Palavers“ in der Altstadt, des Festzuges und der anschließenden Kundgebung, auf der Bundesumweltminister Klaus Töpfer sprach.

Auch der Hohe Meißner war in den Deutschen Wandertag eingebunden: Zu Beginn des Wandertages war die Wimpelwandergruppe aus Koblenz vor ihrer letzten Etappe am Naturfreundehaus begrüßt worden. Und die Abschlusskundgebung fand noch auf dem Berg statt - bei Nebel, Kälte und Dauerregen.

Wimpel blieb beim Landrat

Der Wandertagswimpel wurde dann ein Jahr lang erstmals nicht in einem Rathaus, sondern im Eschweger Landratsamt aufbewahrt. Der damalige Werra-Meißner-Landrat Eitel O. Höhne übernahm das Symbol treuhänderisch.

Im Folgejahr fand der Deutsche Wandertag in Bamberg statt. Der Tradition entsprechend schickte der Vorjahresausrichter eine Wimpelwandergruppe dorthin. 29 Werrataler legten im Juli 1988 binnen 14 Tagen 260 Kilometer ins Frankenland zurück.

Von Stefan Forbert

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