Amtsgericht: Steigrung der Fallzahlen im Kreis um rund 18 Prozent

188 meldeten voriges Jahr Privatinsolvenz an

Werra-Meißner. Die Zahl der Privatinsolvenzen ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen.

Das belegen Zahlen des Amtgerichts Eschwege. Wie der Leiter Dr. Alexander Wachter mitteilt, haben 2015 insgesamt 188 Privatpersonen beim Amtsgericht angezeigt, zahlungsunfähig zu sein. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 17,5 Prozent. 2014 waren es nur 160 Personen.

Eine Altersstruktur kann man an diesen Zahlen nicht ablesen. „Auffällig ist aber, dass die Klienten immer jünger werden“, sagt die Rechtsanwältin Maria Zaschke, die für die Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Kreis als Schuldnerberaterin arbeitet. Zusammen mit ihrer Kollegin Elke Ackermann, ebenfalls Juristin, berät sie für die Awo in den Außenstellen in Eschwege und Witzenhausen Schuldner aus dem gesamten Kreisgebiet. Dass die Zahl gestiegen ist, macht Zaschke von zwei Gründen abhängig. Zum einen seien immer mehr Menschen darum bemüht, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zu regeln. „Zum anderen scheinen Gläubiger weniger bereit zu sein, einer außergerichtlichen Einigung zuzustimmen“, sagt Zaschke.

Die Gründe, warum Menschen in die Schuldenfalle geraten, aus der sie sich nicht mehr selbst befreien können, sind vielschichtig. Matthias Heintz von der Allgemeinen Sozial- und Lebensberatung der Diakonie (ASL) hat einen Erklärungsansatz. „Aus meiner Beratungspraxis heraus habe ich festgestellt, dass die Menschen in einer stark konsumorientierten Gesellschaft den Verführungen des ,Schneller, Höher, Weiter erliegen“, sagt Heintz.

Er spricht aber auch eine fragwürdige Kreditgewährung der Wirtschaft an. Sie trage eine deutliche Mitverantwortung. Das sogenannte Verbraucherinsolvenzverfahren läuft in vier Phasen ab. Neben geeigneten Rechtsanwälten, Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern helfen vor allem die kostenlosen Schuldnerberatungsstellen bei der Regelung.

Von Tobias Stück

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