Staatsminister besuchte minderjährige Flüchtlinge in Eschwege

Michael Roth: Asylverfahren beschleunigen

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Im Gespräch: Staatsminister Michael Roth und Landrat Stefan Reuß besuchten die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die derzeit im Hephata-Heim in der Schillerstraße in Eschwege untergebracht sind.

Eschwege. „Wir müssen die Asylverfahren beschleunigen“, sagte Staatsminister Michael Roth. Er besuchte am Freitagvormittag das Hephata-Heim in der Schillerstraße in Eschwege, um sich mit den 13 dort untergebrachten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen auszutauschen.

„Diese jungen Menschen sind allein in die Fremde gegangen, das ist eine monströse Erfahrung“, sagte er. Deshalb sei es unmenschlich, wenn einige jahrelang auf ihre Asyl-Anhörung warten müssten, um dann im Fall der Fälle doch abgeschoben zu werden. Im Werra-Meißner-Kreis sind aktuell 38 jugendliche Flüchtlinge untergebracht, 27 davon in Einrichtungen von Hephata. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, weitere Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen“, sagte Ilona Friedrich, Leiterin des Jugendamtes. Ab Mitte September gebe es 14 weitere Plätze in Hessisch Lichtenau durch den Träger Lichtenau e.V., mit einem weiteren Träger verhandele man gerade intensiv. Denn die Zahl der ankommenden Flüchtlinge und damit auch die Zahl der unbegleiteten Jugendlichen steigt.

„Im September bekommen wir weitere 16 Jugendliche im Kreis“, sagt Friedrich. Auch für die erwachsenen Flüchtlinge suche der Kreis mit Hochdruck weiter nach guten Unterbringungsmöglichkeiten. „Im Moment sind wir noch gut aufgestellt, so dass wir die Barbaraschule in Sontra als Notunterkunft nicht in Anspruch nehmen müssen“, sagt Friedrich. Doch die nach oben korrigierte Zahl von Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen – laut aktuellen Schätzungen sollen es in diesem Jahr 800 000 sein – lassen auch die Kreisverwaltung aufhorchen.

„Wir wurden zwar noch nicht aufgefordert, bereiten uns aber schon auf die Aufnahme weiterer Flüchtlinge vor“, sagte Reuß. Über die Zusammenarbeit mit Hephata sei man sehr glücklich, betonte er: „Die Einrichtung hat Erfahrung mit jugendlichen Flüchtlingen und war bereit, sich dieser schwierigen Aufgabe anzunehmen.“ Der Betreuungsschlüssel liege hier, wie bei allen anderen Jugendeinrichtungen, bei einem Betreuer auf 1,8 Jugendliche. Kritik übte Reuß an den zaghaften Auskünften über die Zahl der Flüchtlinge, die im Werra-Meißner-Kreis untergebracht werden sollen. „Konkrete Zahlen gibt es nicht, was uns die Planungen immens erschwert“, sagte Reuß. Auch Harald Meiß, Leiter der Jugendarbeit bei Hephata, betonte, dass diese Planungsunsicherheiten die Arbeit seiner Einrichtung erheblich erschweren. „Es geht hier ja nicht nur um Räumlichkeiten, sondern auch um Arbeitsverträge“, sagte er. Zudem sei es allgemein immer schwieriger, Fachkräfte für den Beruf des Betreuers zu gewinnen. Er sprach damit die aktuellen Streiks für mehr Gehalt von Betreuern an. „Die lange Ausbildung mit dann schlechter Bezahlung motiviert die jungen Leute nicht, sich für diesen Beruf zu begeistern“, sagte Meiß.

38 junge Leute aus sieben Ländern

Derzeit sind 38 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Werra-Meißner-Kreis untergebracht. Davon sind 19 noch minderjährig, bei 17 handelt es sich um junge Volljährige. Sie kommen aus sieben verschiedenen Ländern: Afghanistan (13), Albanien (3), Eritrea (4), Nigeria (1), Somalia (6), Syrien (7) und dem Sudan (2).

Von Diana Rissmann

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