Schätzung: Drei von zehn Betrieben im Kreis machen 2016 dicht

Milchbauern steht Wasser bis zum Hals

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Werra-Meißner. Hat der Sprecher der Milchbauern im Kreis, Thomas Küllmer, mit seiner Einschätzung Recht, dann werden in diesem Jahr mindestens drei von zehn seiner Kollegen ihren Betrieb schließen. Grund für diese Annahme ist der weiter sinkende Erlöserpreis für Landwirte, die Milchkühe halten.

Die meisten sind beim Deutschen Milchkontor (DMK) in Bremen, der größten deutschen Molkerei-Gruppe, unter Vertrag. 26 Cent werden aktuell pro Liter Milch ausgezahlt – noch. „Wahrscheinlich wird es runtergehen“, weiß auch Thomas Küllmer von den 25 Cent, die bereits die Runde machen.

Küllmer, selbst Milchbauer im Hessisch Lichtenauer Stadtteil Velmeden, sitzt als Vertreter seiner Kollegen aus dem Landkreis Werra-Meißner und dem nördlichen Teil des Kreises Hersfeld-Rotenburg im Beirat des DMK. Ständig sinkende Preise wegen des höheren Angebots bei immer geringerer Nachfrage – unter anderem wegen Russland – verschärften die Lage auf dem Weltmarkt. Die Genossenschafts-Molkerei, wie Küllmer erläutert, habe nur den Hebel beim Rohstoff-Preis, um zu überleben.

Der DMK werde überleben, etliche heimische Landwirte bei 25 Cent pro Liter aber nicht. „Der gut geführte Betrieb braucht 30 bis 32 Cent“, sagt der Wanfrieder Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Und erst ab 35 Cent verdiene der Milchviehhalter Geld. Roth weiß von drei Milcherzeugern, die für ihren Betrieb einen Käufer suchen. Drei weitere Bauern überlegten ebenfalls aufzugeben. „So eine Situation gab es noch nie, dass sie keinen anderen Ausweg sehen“, sieht der Geschäftsführer diese Entwicklung drastischer denn je. Küllmer spricht sogar von sieben Landwirten, die wegen des Preisdumpings ihren Kuhstall schon dicht gemacht hätten, und von zwei Ehen, die deshalb gescheitert seien. Seine Prognose: „Das wird noch ein ganz böses Jahr geben für die Milchbauern.“

2017 gab es noch 147 Milcherzeuger

Zwischen 120 und 130 Milchviehbetriebe gibt es noch im Werra-Meißner-Kreis. Laut Bericht zur Lage der Landwirtschaft im Kreis von 2010 waren esvor sechs Jahren noch 147. Gut 6000 Milchkühe stehen auf den Höfen in den Ställen, sie geben insgesamt rund 44 Millionen Liter Milch pro Jahr. Zwei Drittel aller Betriebe liegen in den grünlandintensiven Gebieten in Großalmerode am Meißner-Westhang und in Hessisch Lichtenau sowie in den Bereichen Waldkappel, Sontra und Ringgau. Die Vermarktung der Milch erfolgt fast ausschließlich über Molkereien. Die meisten Betriebe haben Verträge mit dem Deutschen Milchkontor (DMK).

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