Ilse und Konrad Werner von der Jugendherberge Eschwege gehen in den Ruhestand

Nach 31 Jahren ist Schluss

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Kiosk und Anmeldung in einem: Ilse und Konrad Werner werden ihre Jugendherberge vermissen. Ob sie noch mal wiederkehren, wissen sie noch nicht. Die Angst, es könnte dann zu viele Änderungen gegeben haben, ist groß.

Eschwege. Sie haben die Jugendherberge Eschwege aufgebaut und durch jede Krise geschaukelt, die da kam. Nach 31 Jahren gehen die Herbergseltern Ilse und Konrad Werner am Samstag in Rente. Ihr Nachfolger, Peter Weinberger, hat sein Büro bereits bezogen.

Es ist ein lachendes und ein weinendes Auge, mit dem sie gehen, sagt Ilse Werner. Eine Jugendherberge zu führen ist ein Sieben-Tage-Job. Kein freier Sonntag, kein Feiertag. „Ich freue mich auf mehr Zeit fürs Privatleben und für unsere Kinder“, sagt die 63-Jährige. Aber den täglichen Umgang mit den Gästen, das Trösten, Betreuen und Weiterhelfen - das wird sie vermissen.

Konrad Werner ist eigentlich gelernter Elektriker, seine Frau ausgebildete Kauffrau. Aber als 1976 für die Jugendherberge auf dem Hoherodskopf in der Wetterau Herbergseltern gesucht wurden, sagten sie spontan zu. Die Voraussetzungen brachten sie mit: handwerkliche, kaufmännische und hauswirtschaftliche Fähigkeiten. Spaß am Umgang mit Kindern und Jugendlichen hatten sie sowieso.

Schwerpunkt: Politische Bildung

1982 wechselten sie nach Eschwege, wo sie früher schon einmal gelebt hatten, und brachten die neu erbaute Jugendherberge am Schwanenteich ins Laufen. Ihr Schwerpunkt war damals die politische Bildung. Regelmäßig kamen Schulkassen, Vereine und Stiftungen, um sich über das Leben an der Grenze zu informieren.

Ilse und Konrad Werner.

Lebhaft haben die Werners noch den Tag der Grenzöffnung in Erinnerung. „Ein Trabbi nach dem anderen kam vorgefahren, den Lärm hörte man schon von Weitem“, erzählt Konrad Werner. Ohne Koffer und Verpflegung seien die Ostdeutschen angekommen. „Das Haus platzte aus allen Nähten. Die Bäckerei Große belieferte uns damals kostenlos mit Brötchen“, so der 66-Jährige weiter.

Immer wieder musste das Ehepaar Schutzsuchende aufnehmen. Kurdische Flüchtlinge beispielsweise oder mangels eines Frauenhauses auch gepeinigte Mütter mit ihren Kindern. „Da bekommt man schon viele Schicksale mit“, sagen die beiden.

Mittlerweile ist die Jugendherberge Eschwege ein beliebter Ort für Musiker und Sportler geworden. „Die Zeiten haben sich geändert. Heute muss man den Leuten ganze Betreuungspakete anbieten“, sagt Ilse Werner. Nur die Betten, die müssen die Gäste immer noch selbst machen.

Ilse und Konrad Werner werden morgen um 14 Uhr in der Jugendherberge mit einer offiziellen Feier in den Ruhestand verabschiedet.

Von Stefanie Müller

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