Klartext-Debatte über die Situation der Flüchtlinge im Werra-Meißner-Kreis

Neue Konzepte müssen her

Wohnhaus für unbegleitete Minderjährige: Die jungen Flüchtlinge kommen in der Eschweger Schillerstraße unter. Archiivfoto: salz

Eschwege. Rund 200 Flüchtlinge unterschiedlicher Nationen leben derzeit im Werra-Meißner-Kreis. Während der Klartext-Debatte wurde über ihre oftmals problematische Unterbringungssituation geredet. Gut 50 Interessierte waren der Einladung des Evangelischen Forums und der Werra- Rundschau gefolgt, auch Betroffene selbst hatten sich zahlreich im überfüllten Saal der Gaststätte „Zur Traube“ eingefunden.

Als Moderator des Diskussionsabends konnte Pfarrer Johannes Meier (Evangelisches Forum) gleich vier Experten auf dem Podium begrüßen, die in je unterschiedlicher Weise mit der Flüchtlingsthematik befasst sind: Einen informativen Überblick über die Lage im Kreis vermittelte zunächst Birgit Krüger vom Fachbereich Jugend, Familie und Soziales des Werra-Meißner-Kreises.

Sie ist von Amts wegen zuständig für die Unterbringung der Asylsuchenden, deren örtliche Zuweisung nach dem Landesaufnahmegesetz hessenweit durch das Regierungspräsidium Darmstadt erfolgt: „Oft erfahren wir nur sehr kurzfristig, wenn wieder neue Menschen aufgenommen werden müssen.“ Manchmal blieben dann nur wenige Tage, um geeignete Wohnplätze zu organisieren. Knapp 30 Asylbewerber etwa haben derzeit in einer Sammelunterkunft in Eltmannshausen ein Dach über dem Kopf gefunden. Betrieben wird das Haus von der Arbeiterwohlfahrt Eschwege, deren Geschäftsführerin Regina Fricke von weitgehend positiven Erfahrungen zu berichten wusste. Auch Ortsvorsteher Georg Rost zeigte sich angetan von den dortigen Räumlichkeiten, die ordentlich saniert und möbliert worden seien.

Im Dorf wären die Flüchtlinge durchaus willkommen, Probleme gäbe es nicht. Im Gegenteil: Dank des Zuzugs einiger fußballbegeisterten junger Männer habe nun sogar der Fußballverein seines Dorfes neuen Spielernachwuchs gefunden. „Das ist doch ein gutes Beispiel für gelungene Integration.“ Deutlich kritischer beurteilte hingegen Martin Röder von der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes die Situation der Asylsuchenden im Werra-Meißner-Kreis.

Obwohl die Flüchtlingszahlen im Vergleich mit den 90er Jahren drastisch zurück gegangen seien, setze man nach wie vor zu sehr auf das falsche Konzept der Sammelunterkünfte. „Wir dürfen die Menschen nicht an den Rand der Gesellschaft drängen“, mahnte Röder. (WR)

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