Eine Reiserwiese soll angelegt werden

Niederdünzebach: BUND will alte Apfelsorten bewahren

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Gegen den Artenschwund: Uwe Köhler und Wolf von Bültzingslöwen (rechts) möchten mit der Anlage einer Reiserwiese verhindern, dass alte, regionale Apfelsorten immer weiter verschwinden. 

Niederdünzebach. 170 Apfelsorten gibt es noch auf den Streuobstwiesen im Werra-Meißner-Kreis. Doch die Vielfalt schwindet zusehends. Gerade die alten Apfelsorten sind betroffen. Uwe Köhler und Wolf von Bültzingslöwen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wollen diesen Schwund gerne aufhalten.

Denn nicht allein die Bäume, auch das Wissen über die alten Sorten verschwindet.

Die Fläche

Eine geeignete Fläche, um darauf eine Reiserwiese mit alten oder sogar bedrohten Apfelsorten anzulegen, haben sie ausgemacht. Sie liegt zwischen Oberdünzebach und Niederdünzebach, eine steil abfallende Wiese. Das Gelände gehöre der Stadt und werde im Augenblick kaum genutzt. Der BUND möchte es langfristig pachten, um hier die alten Apfelsorten anzulegen, etwa 70 Bäume. „Streuobstwiesen kennen viele Leute, Reiserwiesen kaum jemand, sind sie doch selten anzutreffen“, sagt Wolf von Bültzingslöwen. Bei dieser Veredelungstechnik werden Edelreiser auf geeignete Unterlagen aufgepfropft. „Sind die Bäume dann alt genug, lassen sich nach einigen Jahren Edelreiser schneiden, die wiederum an interessierte Neupflanzer abgegeben werden können und somit zu Sortenerhalt und Wiederansiedlung beitragen“, erklärt er.

Kaum Allergene

Die alten Apfelsorten hätten Vorteile, erklärt der Naturschützer. Viele Leute reagierten heute auf die Apfelsorten aus dem Supermarkt mit ihrer veränderten Genstruktur allergisch. Die alten Apfelsorten hingegen könnten Apfelallergiker meistens gut vertragen. Auch Klimawandel und Umweltstressfaktoren setzten vielen neuen Sorten zu, sodass die alten Sorten mit ihrem regional angepassten Genmaterial wieder eingekreuzt werden müssten. Dazu müssen sie aber erhalten bleiben. 

Das Ziel

„Wir legen den Schwerpunkt mit dieser Reiserwiese nicht auf die Ernte und den Ertrag, sondern auf die Vermehrung wirklich alter, häufig vom verschwinden bedrohter Sorten, von denen immer noch einige im Werra-Meißner-Kreis vorhanden sind“, sagt Wolf von Bültzingslöwen. „Sie aufzufinden, auf geeignete Unterlagen aufzupfropfen und sie so zu bewahren ist das Ziel.“

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