Nordhessen steht im Vergleich gut da

Noch sterben auf dem Land keine Apotheken

Werra-Meißner. Gute Nachricht für die Menschen im Werra-Meißner-Kreis: Das Apothekensterben, das vor allem in den ländlichen Regionen Südniedersachsens um sich greift, ist in Nordhessen noch nicht angekommen.

Die Präsidentin der Apothekerkammer in Hessen, Erika Fink, sagte: „Um Nordhessen und den Werra-Meißner-Kreis müssen wir uns derzeit am wenigsten Sorgen machen.“

Besonders in Eschwege sei die Abdeckung hervorragend. Auf 2860 Einwohner komme eine Apotheke. Der Landesdurchschnitt liege wesentlich höher. Knapp 4000 Patienten werden pro Arzneiausgabe versorgt. Außerdem habe im Werra-Meißner-Kreis seit 2006 keine der 22 existierenden Apotheken geschlossen.

Ein anderes Bild ergebe sich, wenn man ganz Hessen betrachtet: „Allein in den vergangenen zwei Jahren haben landesweit 49 Apotheken zu gemacht, geöffnet haben aktuell noch 1554“, sagt Erika Fink. Die Gründe für die Schließungen seien vielfältig. „Oft finden ältere Apotheker keinen Nachfolger, weil sich bei einer Übernahme der Räume die Miete erhöht, der Ertrag aber unverändert bleibt“, so die Präsidentin der Kammer.

Außerdem ziehe es viele Pharmazie-Absolventen eher in die großen Städte als aufs Land, wo das Überleben einer Apotheke stark an vorhandene Landarztpraxen gekoppelt sei. Denn in kleinen Orten, wo es keine Arztpraxis mehr gibt, könne eine Apotheke auf Dauer nicht überleben, sagt Fink. Die Menschen holten sich ihre Medikamente dann in der Stadt, wo sie ihren Arzt aufsuchen oder arbeiten.

Ein Apothekensterben als Folge des bereits abzusehenden Arztmangels könnte unsere Region in fünf bis zehn Jahren treffen, sagt Fink. Das geht auch aus einer Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen hervor. Demnach sind knapp die Hälfte der 77 im Kreis niedergelassenen Hausärzte zwischen 56 und 70 Jahre alt. (kbr)

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