Ex-Verfassungsschützer aus Hofgeismar sagte in Berlin aus

NSU-Mord: Andreas T. beteuert seine Unschuld

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Terror in Kassel: Ein Veranstaltungsplakat mit den Köpfen der mutmaßlichen Mitglieder einer Neonazi-Zelle hängt an der Holländischen Straße neben dem Tatort, an dem 2006 Halit Yozgat getötet wurde.

Kassel / Berlin. Der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T. aus Hofgeismar hat gestern vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages erneut bestritten, an dem Mord an Halit Yozgat beteiligt gewesen zu sein.

„Es waren alles nur Zufälle“, gab er vor dem Berliner Ausschuss an. Einige Ausschussmitglieder waren da skeptisch. „Sie wollen nichts gesehen, nichts gehört und nichts gerochen haben“, warfen ihm die Grünen vor. Sie hielten Andreas T. die Aussage des früheren Sonderkommissions-Leiters und heutigen Polizeidirektors Gerald Hoffmann entgegen: Der hatte ausgesagt, dass nach den Ermittlungen der Polizei Andreas T. die Schüsse auf Yozgat gehört und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dessen Leiche gesehen haben musste. Andreas T. bestreitet das. „Ich wünschte, ich hätte was gesehen, aber es war nicht so.“ Unbestritten ist, dass er am Mordtag, den 6. April 2006, am Tatort an der Holländischen Straße in Kassel war. Gestern wurde bekannt, dass Andreas T. sich nur vier Tage später mit seinem Informanten aus dem rechten Milieu traf. Der hatte beim Bundeskriminalamt ausgesagt, bei dem Treffen habe er sich mit Andreas T. über den Mord unterhalten. Der Verfassungsschützer sei dabei merkwürdig nervös gewesen und habe gestottert. Andreas T. kann sich daran nicht erinnern. Er gab an, dass die Polizei ihn nach dem Mord zwar als Verdächtigen verhörte, aber nie nach den Namen seiner Informanten gefragt habe. Sechs V-Leute habe er geführt, sagte Andreas T: den Mann aus der rechten Szene und fünf Informanten aus dem Bereich des Ausländerextremismus. Dass die Polizei vom damaligen Innenminister Volker Bouffier daran gehindert wurde, diese Informanten zu befragen, wisse er nicht, sagte Andreas T. Er habe nach dem Mord ein Mal mit seinem obersten Chef, Verfassungsschutzdirektor Lutz Irrgang, persönlich gesprochen. Da sei es um berufliche Perspektiven gegangen.

Von Frank Thonicke

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