Rauschgift-Prozess um ein Kilo Haschisch zum zweiten Mal aufgehoben, weil Hauptperson fehlte

Oberkante Unterlippe sauer auf Zeugin

Eschwege. Ob ein heute 63-jähriger Mann aus Hanau im Sommer 2010 in Frieda ein Kilo Haschisch veräußert hat, blieb in der Verhandlung gegen ihn gestern vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Eschwege ein zweites Mal offen. Denn bereits zum zweiten Mal war die wichtigste Zeugin unentschuldigt nicht erschienen, weshalb die Sitzung nach eineinhalb Stunden abgebrochen werden musste.

M., aus Eschwege stammend, hatte in Frieda ein Haus gekauft und kannte daher X., dem er das Rauschgift verkauft haben soll. Beide streiten dieses Geschäft vehement ab. Es war von X‘s Exfrau behauptet und von seiner Schwiegermutter bestätigt worden. Ob die im Streit geschiedene Ex die Anschuldigung getätigt hatte, um ihrem Exmann Schwierigkeiten zu bereiten, von „am Zeug flicken“ war wörtlich die Rede, konnte nicht geklärt werden. Dass beide Männer und der Zeuge P. überhaupt nichts mit Betäubungsmitteln (BTM) am Hut haben, wollte gestern keiner so recht glauben. Er habe nichts gekauft und verkauft und konsumiere auch nichts, beteuerte X. mehrfach. Gegen ihn läuft allerdings parallel selbst ein BTM-Verfahren. Bei dieser Gelegenheit kam ein längst pensionierter Mann zu Ehren: „Richter Höbbel hat ihn gut gekannt“, sagte M. über X.

M. räumte ein, nur bei Asthmaanfällen zu Rauschgift zu greifen, was beim Staatsanwalt nur ein Kopfschütteln bewirkte. Er sei „Oberkante Unterlippe sauer auf die Zeugin, die hat mich verarscht“, wurde M. mehrfach ausfallend und schob die Lautstärke auf seine Schwerhörigkeit.

Der als Zeuge erschienene Polizist L. gab zur Kenntnis, dass „X. in der BTM-Szene in Eschwege ein Begriff ist“. Bei Ermittlungen über Eschwege hinaus, „ich bin erst seit 2005 in Eschwege“, seien seit 1999 insgesamt 22 Kunden des X. registriert worden, von denen 15 die Geschäfte eingeräumt hätten.

Schließlich gab sich auch Zeuge P. als gänzlich unbeteiligt, obgleich bei dem 67-Jährigen, der eine „zehntägige Liaison“ mit M´s Schwiegermutter hatte, 38 Gramm Rauschgift und ein Vorderlader sichergestellt worden waren. Das Rauschgift habe er auf einem Parkplatz gefunden.

Am 26. März wurde schon ein Hauptverhandlungstermin aufgehoben, wofür es ein Ordnungsgeld gab, gegen das die Zeugin vorgeht. Gestern wurde erneut ein Ordnungsgeld verhängt, weil sie nicht angerufen hatte und auch nicht erreichbar war. Für den nächsten Termin, die Frau kommt auch aus Hanau, soll sie polizeilich vorgeführt werden, hat der Vorsitzende Richter Dr. Wachter schon angekündigt.

Von Helmut Mayer

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