Ekki Oktan und seine Kollegen sind Bühnenkletterer und ganzjährig „on tour“

Wo sie sind, ist ganz weit oben

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Ein Mann wie ein Bär: Ekki Oktan ist Industriekletterer. Ein Knochenjob. Foto: Matthias Schäfer

So stellt man sich gemeinhin einen echten Mann vor: Oberarme dick wie Baumstämme, ein Kreuz wie aus Stein gemeißelt, die Augen hinter einer verspiegelten Sonnenbrille versteckt.

Ekki Oktan beeindruckt aber nicht nur durch seine ehrfurchtsgebietende Statur, sondern auch durch seinen alles andere als alltäglichen Job. Oktan ist als einer von vier Bühnenkletterern dafür verantwortlich, die Stahlkonstruktion der Hauptbühne nach oben zu ziehen. Und wo sich Oktan mit seinen Kumpels befindet, ist in der Regel oben. Bis zu 15 Meter hoch kraxeln die vier Profis über Stahlgerüste, hängen an Querträgern oder verrichten ihren gefährlichen Job von der Hebebühne eines mobilen Kranwagens aus. Passiert ist aber weder Oktan noch seinen Kollegen „Kiddy“ oder „Hightower“ etwas.

Und das, obwohl das eingespielte Team eigentlich das ganze Jahr über nichts anderes tut, als Bühnen irgendwo auf dieser Welt auf- oder abzubauen. Von Eschwege geht’s weiter nach Leipzig aufs Highfield-Festival, von dort aus geradewegs in den Flieger nach Tel Aviv, wo gerade die Bühnenshow des Cirque de Soleil endet. „Wir haben schon Bühnen für Metallica, The Prodigy oder Mötley Crüe gebaut“, sagt Hightower, der seinen Spitznamen nicht von ungefähr trägt und selbst den Hünen Oktan noch um Kopfeslänge überragt. Ein anderes Mal hat es die Crew ins winterliche Moskau verschlagen, wo es eine gigantische Skirampe aufzubauen galt.

„Wir sind quasi zwei Drittel des Jahres on tour“, erzählt Oktan. Für die Familie bleibt dem 32-Jährigen nur wenig Zeit. „Aber meine Frau und mein Sohn kommen heute nach Eschwege“, freut er sich. Und das Open Flair bietet sich für ein Familientreffen an wie kein zweites Festival. „Das Flair ist fast so etwas wie eine Pause für uns“, sagt auch Hightower. „Hier ist alles ein wenig chilliger als anderswo. Wir freuen uns immer darauf, herkommen zu dürfen.“

Jetzt haben die Jungs ihren Job fürs Erste getan - während der Festivaltage sind sie auf „Standby“ - also als Feuerwehrmänner, etwa für den Fall, dass ein Sturm die Bühne umzuwehen droht.

Von Matthias Schäfer

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