Torsten Heinrich leitet von Witzenhausen aus die Schaustellerseelsorge in Deutschland

Ein Pfarrer für den Zirkus

Aus Witzenhausen in die Republik: Pfarrer Torsten Heinrich betreut seit 1. Januar von der Kirschenstadt aus 23 000 evangelische Schausteller in Deutschland. Katja Fröhlich aus Ellingerode koordiniert dazu im Gemeindebüro Terminanfragen und die Verwaltung. Foto: Steensen

Witzenhausen. Schaustellerfamilien sind oft das ganze Jahr auf Achse, sie reisen von Jahrmarkt zu Jahrmarkt oder treten mit ihrem Zirkus in ganz Deutschland auf. Eine Heimatgemeinde haben viele nicht – aber einen eigenen Pfarrer. Der heißt Torsten Heinrich, war bis vor kurzem Jugendpfarrer in Leipzig und leitet nun die Evangelische „Circus- und Schaustellerseelsorge“, die seit 1. Januar ihren Sitz in Witzenhausen hat.

„Ich mache die ganz normale Arbeit eines Gemeindepfarers“, sagt Heinrich. „Nur in ganz Deutschland.“ Ob Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen oder Seelsorge – Heinrich wird dorthin fahren, wo sich seine Gemeindemitglieder gerade aufhalten. Er wird vor Ort Kirchen und Friedhöfe, aber auch Autoscooter und Zirkuszelte für Gottesdienste und Andachten nutzen.

Den Standort Witzenhausen hat der 52-Jährige bewusst gewählt. Die Lage seines Büros sollte zentral und gut an die Autobahn angebunden sein, also suchte er nach Wohnungen rund um den geografischen Mittelpunkt Deutschlands. Eine schöne Wohnung in Witzenhausen sprang ihm ins Auge – und so bemühte er sich parallel um ein geeignetes Büro. Bei Dekanin Ulrike Laakmann fand er Unterstützung, sie bot ihm ein Büro im Corvinushaus in Witzenhausen und Unterstützung durch Katja Fröhlich vom Gemeindebüro an. Die Chemie stimmte auf Anhieb. „Nur mit der Wohnung ist es nichts geworden“, sagt Heinrich. Er wohnt jetzt in Hann. Münden.

Doch viel Zeit wird der 52-Jährige in den fünf Jahren, auf die seine Stelle als „Funktionspfarrer“ befristet ist, weder im Büro noch zuhause verbringen. Sein Vorgänger Horst Heinrich aus Baden-Württemberg war bis zu seinem Ruhestand an rund 200 Tagen pro Jahr unterwegs und fuhr jährlich 60 000 bis 70 000 Kilometer. Sicher könnte Torsten Heinrich viele Kilometer sparen, wenn er Gottesdienste oder Konfirmandenunterricht per Videokonferenz anbieten würde. Doch davon hält der Sachse nichts: „Der Glaube ist etwas sehr Persönliches und es geht dabei um Gemeinschaft.“ Deshalb will Heinrich zu den Schaustellern fahren und lernen, wie sie ihren Glauben leben. Diese hätten durch ihr Nomadenleben oft einen engen Familienzusammenhalt und großes Traditionsbewusstsein.

Zudem freut sich der 52-Jährige darauf, sich auf Bundesebene zu vernetzen und Dinge mitgestalten zu können. „Jetzt kann ich mehr über den Tellerrand schauen, das ist in einer Gemeinde oft nicht möglich“, sagt Heinrich. Seine erste Tour wird ihn ins bayerische Schweinfurt führen – zu einem Zirkusgeburtstag. (fst)

Von Friederike Steensen

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