Betreiber kritisieren Bewertungssystem als realitätsfern

Pflegeheime im Werra-Meißner-Kreis: Sehr gute Noten trotz Mängeln

Werra-Meißner. 75 Prozent der Pflegeheime im Werra-Meißner-Kreis haben bei den letzten Qualitätsprüfungen des Medizinischen Diensts der Krankenkassen (MDK) Mängel gezeigt – bei gleichzeitig guten bis sehr guten Pflegenoten.

Das geht aus einer Analyse des Rechercheverbunds Correctiv hervor. „Die offiziellen Pflegenoten sind Augenwischerei“, schreibt Correctiv-Mitglied Daniel Drepper. Ein schlechtes Abschneiden bei medizinischen Kriterien könnte beispielsweise durch einen gut lesbaren Speiseplan ausgeglichen werden. Die Pflegeheime in der Region bemängeln ebenfalls das Bewertungssystem des MDK –allerdings aus anderen Gründen: Ob ein Heim gut oder schlecht abschneide, liege allein an der Dokumentation. „Was nicht aufgeschrieben wurde, gilt als nicht gemacht“, sagt Maria Grüning, stellvertretende Geschäftsführerin des Pflegezentrums Panorama in Berkatal. „Solche Prüfungen bilden doch nicht die Realität ab.“

Ähnlich äußert sich Gerd Kniese, Geschäftsführer des Seniorenzentrums Nettling in Bad Sooden-Allendorf: „Nur wer gut dokumentiert, macht im Sinne des MDK eine gute Arbeit. Aber je mehr wir uns um die Dokumentation kümmern, desto weniger Zeit haben wir für die Menschen.“ Dass sein Heim mit einer Gesamtnote von 2,2 zu den Schlusslichtern im Kreis gehört, begründet er mit einer personellen Fehlbesetzung, die mittlerweile behoben sei. MDK-Geschäftsführer Dr. Peter Pick widerspricht den Vorwürfen der Heime jedoch: „Kern der MDK-Prüfung ist die Inaugenscheinnahme von pflegebedürftigen Menschen, bei denen sich die Prüfer ganz konkret ansehen, wie gut sie gepflegt wurden. Es trifft nicht zu, dass der MDK seine Prüfung auf die Dokumentation beschränkt.“ Er stimmt jedoch zu, dass die Prüfergebnisse beschönigend in den Pflegenoten dargestellt würden und das Prüfkonzept zu überarbeiten sei. 

Von Verena Rehermann

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