Planvoll zurück ins Leben

Wohnprojekt Esperanza bietet Hilfe für junge Erwachsene mit psychischen Störungen

Auch Therapiehündin Kiss, ein Bullmastiff, gehört fest zum Team: (von links) Tobias von Wittich, Franziska Fiege, Dieter Schmidt und Christel Volkenandt vor Gut Friedrichsruh. Rechts ein zurzeit unbewohntes Zimmer des Esperanza-Projektes. Fotos: Spanel

Eschwege. Der Name des Wohnprojektes ist bewusst gewählt: „Esperanza" ist das spanische Wort für Hoffnung - und von genau diesem Gefühl sollen bis zu sechs junge Erwachsene mit psychischen Störungen aufgefangen werden.

Auf Gut Friedrichsruh, einige Kilometer außerhalb der Eschweger Innenstadt gelegen, werden seit dem Jahr 2008 Menschen zwischen 18 und 27 Jahren in schwierigen Lebenssituationen ambulant betreut.

„Wir unterstützen und fördern die jungen Erwachsenen in ihrem Alltag - eine Therapieeinrichtung sind wir aber nicht“, sagt Sozialpädagoge und Team-Leiter Tobias von Wittich. Ziel des vom Verein Aufwind getragenen Projektes Esperanza sei es, den Menschen, die etwa an Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen litten, wieder ein eigenständiges Leben zu ermöglichen.

„Ein schwer Depressiver hat beispielsweise den Antrieb verloren, für sich selbst zu sorgen“, erläutert von Wittich. Das fünfköpfige Esperanza-Team motiviere und gebe praktische Hilfe, zum Beispiel beim Einkauf. „Die Behandlung der Krankheiten übernehmen aber Tageskliniken oder niedergelassene Psychotherapeuten“, sagt von Wittich. Dieses Modell, das zusätzlich eine 24-Stunden-Rufbereitschaft, Freizeitbegleitung sowie eine Wochenendbetreuung mit einschließe, sei einmalig im Kreis. „Esperanza hat eine Versorgungslücke geschlossen“, zeigt sich von Wittich überzeugt.

Zurzeit leben vier Männer und zwei Frauen in der gemischten Wohngruppe. Ein fester Wochenplan sowie verschiedene Gruppenangebote unterstützten die jungen Erwachsenen laut Sozialpädagogin Franziska Fiege dabei, eine geregelte Tagesstruktur zu entwickeln. Durchschnittlich 17 Monate dauere der Aufenthalt auf Gut Friedrichsruh, könne aber bei Bedarf verlängert oder verkürzt werden. „Sind die Bewohner stabil genug, können sie in eine eigene, kleine Wohnung in der unmittelbaren Umgebung ziehen“, sagt Fiege.

„Die Arbeit stellt hohe Ansprüche an das Team und verlangt große Professionalität“, sagt von Wittich. Doch die fünf Betreuer würden regelmäßig für ihren Einsatz belohnt - „dann, wenn wir miterleben, wie von uns betreute junge Menschen das Gut verlassen und ihr Leben selbstständig gestalten“, sagt von Wittich.

Von Emily Spanel

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