Polizeischüler sind im Kletterwald unterwegs

Bobbycarfahren in luftiger Höhe: Diese beiden trauen sich was.

Eschwege. Mehr als 180 Schüler haben im September ihre Ausbildung bei der Bundespolizei in Eschwege begonnen. In dieser Woche waren sie auf einer besonderen Mission unterwegs: Sie haben während einer Projektwoche ihre Teamfähigkeit verbessert und waren deshalb unter anderem im Kletterwald Leuchtberg unterwegs. Die Reaktionen darauf fielen unterschiedlich aus.

Wo kann ich hier wieder runter? - Diese eine Frage schallt am Donnerstagnachmittag im Minutentakt durch den Kletterwald Leuchtberg. In zehn Metern Höhe ist eine Gruppe von 22 neuen Polizeischülern unterwegs, bewegt sich über schmale Stege, Holzpfeiler, durch Tunnel und auf einem Bobbycar von Baum zu Baum - was den 24-jährigen Salah Laasri trotz Sicherungsseils nicht davon abhält, den oben genannten Satz mantramäßig zu wiederholen. „Ich habe Höhenangst“, schreit er, „warum mache ich das?“

Um zu lernen, im Team zu arbeiten, sich auf die anderen verlassen zu können - das ist das Ziel der Nature-Challenge, die in der vergangenen Woche durch die Bundespolizei Eschwege für die neuen Schüler veranstaltet wurde. Elf Lehrgruppen haben sich durch verschiedene Stationen gekämpft, ihr bereits erworbenes Wissen vertiefen - und auch anhand von praktischen Übungen die Theorie verinnerlichen können. So wie im Kletterwald. „Ich finde es super, dass wir hier sowas machen können“, sagt Lucas Möller. Der 20-Jährige aus Cornberg hat im Gegensatz zu seinem Kollegen Laasri keine Probleme mit der Höhe, ist die Parcours ganz entspannt zusammen mit Pascal Schade angegangen. „Wir sind hier immer in Zweierteams unterwegs, um uns gegenseitig zu motivieren und zu unterstützen“, erzählt der 27-Jährige, der aus dem Raum Frankfurt kommt.

Polizeischüler im Kletterwald

Das Vorgehen hat sich bewährt: In gefühlt einer Ewigkeit hat sich Laasri von Station zu Station gekämpft, hat sich von seinem Kollegen Sebastian Kratz mal auf eine mitfühlende, dann auf eine fordernde Art und Weise durch die luftige Höhe manövrieren lassen. „Man fühlt sich da oben so unsicher“, erzählt der offen wirkende junge Mann, als er wieder festen Boden unter den Füßen hat und wieder lachen kann. Die Geräusche haben seine Angst nicht gerade vermindern können: „Man hat richtig das Holz unter einem knacken hören, das macht einen wahnsinnig.“ Stolz ist er trotzdem: „Ich habe mich da durchgekämpft, noch einen Parcours mache ich aber nicht.“

Die Projektwoche

Das erste Mal in der Öffentlichkeit mit der Uniform: Für die Polizeischüler war diese Woche eine besondere. „Man muss da schon reinwachsen“, sagt Pressesprecher Christian Hilmes und lacht.

Während der Projektwoche haben die Schüler, deren Zahl seit Beginn der Ausbildung um elf gesunken ist, nicht nur ihren Teamgeist gefestigt, sondern auch verschiedene theoretische Kurse absolviert: Das Waffenwesen wurde ebenso vorgestellt wie die Aufgaben der Bahnpolizei.

Zudem gab es einen Orientierungsmarsch: Anhand von Karten mussten die elf Lehrgruppen ihren Weg von Eschwege in Richtung Bad Sooden-Allendorf über Frankershausen zurück in die Kreisstadt finden, 21 Kilometer lang war die Strecke. Unterwegs mussten Geschicklichkeitsaufgaben gelöst und theoretische Fragen beantwortet werden. „Die bezogen sich unter anderem auf die Region, zum Beispiel wollten wir wissen, welche Inschrift auf dem Bismarckturm steht“, sagt Christian Hilmes.

Die besten acht Teams wurden am Freitag mit einem Volleyball-Turnier belohnt, die anderen geben sich nächstes Mal mehr Mühe: „Die müssen in der Zeit die Autos waschen“, sagt Polizeischüler Salah Laasri.

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