Weniger Bürokratie und mehr Zeit für Patienten werden erwartet

Praxisgebühr: Ärzte froh über Abschaffung

Eschwege. Die Ärzte im Werra-Meißner-Kreis begrüßen die Abschaffung der Praxisgebühr mit Beginn des neuen Jahres. Ein erheblicher Verwaltungsaufwand falle damit weg.

Die Mediziner könnten sich jetzt wieder verstärkt auf die Patienten konzentrieren. „Die Abschaffung der Praxisgebühr war lange überfällig“, sagt Dr. Jan Purr, Vorsitzender des Ärztebündnisses im Werra-Meißner-Kreis.

Der Bundestag kippte die Sonderzahlung im November mit der Begründung, dass das Ziel der Praxisgebühr, die Zahl der Arztbesuche zu verringern, nicht erreicht worden sei. Geringverdiener würden von notwendigen Arztbesuchen abgehalten. Die Praxisgebühr belaste einseitig die Patienten, die Zusatzeinnahmen seien gering und deckten nur knapp ein Prozent der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Praxisgebühr verursache dagegen unnötige Bürokratie.

Diesem Aspekt stimmt Purr zu. Der bürokratische Aufwand sei viel zu hoch gewesen, sagt der Allgemeinmediziner aus Großalmerode. Durch den Wegfall der Gebühr würden seine Mitarbeiterinnen täglich bis zu drei Stunden Zeit einsparen. „Bislang hat jede Praxis im Schnitt pro Jahr 120 Stunden gebraucht, um die Praxisgebühr für die Krankenkassen einzuziehen und zu quittieren“, sagt Andreas Köhler, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Der Verwaltungsaufwand kostete bundesweit geschätzte 300 Millionen Euro.

Dass durch die Abschaffung der Praxisgebühr die Hemmschwelle der Patienten zum Arzt zu gehen gesunken sei, können die Mediziner im Werra-Meißner-Kreis bisher nicht bestätigen. Viele hatten die Praxen gestern zum ersten Mal in diesem Jahr geöffnet. Seit 1. Januar können die Patienten aber wieder direkt den Facharzt - mit Ausnahme der Radiologen - aufsuchen. Die Krankenkassen wünschen sich allerdings, dass immer zuerst der kostengünstigere Hausarzt konsultiert wird.

Von Tobias Stück

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