Kälte blockiert Verkauf, im Gewächshaus fehlt deshalb Platz für die nächsten Blumen

Primeln stehen im Stau

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Primeln sind drinnen im Warmen und draußen bei Kälte gleichermaßen nicht langlebig. Ihre Beliebtheit verdanken sie ihrer intensiven Farbenpracht, die als Sinnbild für den Frühling gilt. Hier in Tinas Blumengarten in Niederhone.

Werra-Meißner. Die Bauern können nicht raus aufs Feld und die Gärtner nicht rein ins Gewächshaus mit jahreszeitüblichen Frühblühern. Primeln, Stiefmütterchen und Hornveilchen blockieren den Platz für die nächsten Kulturen, weil der Nachtfrost die Kundschaft vom Anpflanzen abhält, beklagen Bernhard Hollerbuhl und sein Sohn Björn das Dilemma. Zirka 7000 Primeln warten in der Gärtnerei in Bahnhof Großburschla auf andere Temperaturen.

Sie sind Freiluftpflanzen, die in der warmen Wohnung schnell die Blätter hängen lassen und bei Minusgraden draußen noch schneller. Weil sie ohnehin nur kurzlebig sind, hätten sie längst raus sein müssen, sagt Ingo Lang, der in Abterode seine Gewächshäuser hat für Tinas Blumengarten in Niederhone und je ein Geschäft in Bad Sooden-Allendorf und Witzenhausen. Kostet eine Primel normalerweise einen Euro, werden sie jetzt mit Rabatt im Sechserpack angeboten. Lang kommt noch glimpflich davon, weil ihm kein Lieferant mit bestellten Pflanzen im Nacken sitzt, er zieht alle Pflanzen selber heran und kann die Zeit damit zwar geringfügig überlisten, aber verlorene nicht mehr reinholen. Zudem baut er eher auf späte Blühvarianten.

Beeinflussen kann man das Wachstum nur begrenzt. Normal sind 18 bis 22 Grad, jetzt fahren Hollerbuhls mit 16 Grad, um das Wachstum der Margeriten zu drosseln. „Das geht aber nur zwei bis drei Wochen lang“, sagt Björn Hollerbuhl, dann sei Schluss mit der Trickserei. Die Margeriten rücken den Primeln auf die Pelle. Noch dicht an dicht aufgestellt, aber bald brauchen sie Platz, viermal so viel wie jetzt, sonst werden sie faul eng an eng.

Frühlingsblüher sind eine langfristige Investition, sieht Gärtner Frank Szymkowiak aus Altenburschla seine Arbeit und sein Kapital in Gefahr, auch bei den folgenden Blumen. Schon in der 35. bis 40 Kalenderwoche werden Primeln und Stiefmütterchen gesetzt. Wenn fünf Monate später extremes Wetter das Geschäft verdirbt, kann nicht kurzfristig Ersatz beschafft werden, sagt Bernhard Hollerbuhl.

Im Blumenland Decke in Reichensachsen sind es die Stiefmütterchen, die Chef Herbert Kummer bereiten. Die müssten längst raus sein in Dekoschalen und auf Friedhöfen, aber weder im Einzelhandel noch bei Großkunden besteht Nachfrage. Stiefmütterchen und Primeln gehen notfalls auch noch nächste Woche, das sei Schadensbegrenzung, sagt Decke. Aber mit Osterglocken und Narzissen sei nach Ostern kein Geschäft mehr zu machen. Auch in Deckes Gewächshäusern am Bahnhof stehen die nächsten Kulturen Schlange. Hier setzt man optimistisch auf Sonnenschein ab morgen.

Von Helmut Mayer

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