Interview zum Reformationstag mit den Dekanen der Kirchenkreise Eschwege und Witzenhausen

Arnold und Laakmann: „Luther ist immer noch aktuell“

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Der Reformator Martin Luther.

Werra-Meißner. Die Lehren Luthers können auch heute noch als Leitfaden fürs Leben dienen, finden Eschweges Dekan Dr. Martin Arnold und Witzenhausens Dekanin Ulrike Laakmann. Weil am heutigen Reformationstag offiziell die Feiern zum Reformationsjubiläum beginnen, haben wir mit beiden über Luther, Gott und die Welt gesprochen.

Vor fast 500 Jahren veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen. Welche ist aus Ihrer Sicht die Wichtigste? 

Dr. Martin Arnold: Die erste natürlich. Darin heißt es „Tut Buße“. Damit meint Luther nicht, dass man nur einmal zur Beichte geht, sondern das man sein ganzes Leben so ausrichten soll, dass es den Ansprüchen von Jesus Christus gerecht wird – also eine Grundausrichtung des Lebens und nicht ein einmaliger Akt. Nicht die 95 Thesen sind der zentrale Punkt der Reformation, sondern die Gewissheit, die Luther gewonnen hat, nämlich, dass die Menschen so wie sie sind, von Gott anerkannt werden. Das war eine Befreiung: Wir müssen keine Leistung vor Gott erbringen, um geliebt und anerkannt zu werden.

Ulrike Laakmann: Ich möchte mich nicht auf eine These festlegen. Das Epochale an ihnen ist heute nicht so sehr ihr Inhalt, sondern der Umstand, dass Luther überhaupt Thesen zum Glauben veröffentlichte. . Er vertrat eine andere christliche Haltung als die offizielle Kirche in seiner Zeit, das ist spannend. Die Debatte, die er mit der ersten These zum Thema Buße und Ablass angestoßen hat, ist heute in der Form nicht mehr aktuell. Sein Glaubensverständnis aber, dass „ein freier Christenmensch“ sein Leben direkt vor Gott verantwortet, ohne eine vermittelnde Instanz dazwischen, ist nach wie vor relevant.

Warum ist die Reformation 500 Jahre nach ihrem Beginn heute noch wichtig?
Arnold:
Im Kern ist die Reformation deshalb noch wichtig, weil sich auch heute noch die Frage stellt, woraus wir Menschen unsere Anerkennung, unsere Orientierung und unser Selbstwertgefühl beziehen. Luther und andere seiner Zeit haben entdeckt, dass wir unabhängig von unseren Leistungen von Gott anerkannt werden. Auf die Frage, wie wir Anerkennung und Liebe finden, hat Luther eine einfach Antwort: „Als Geschenk von Gott.“ Das ist richtig gut.

Laakmann: Durch die Reformation wurde der Bildungsgedanke in Deutschland weit verbreitet – auch für Frauen und Mädchen übrigens, in einer Zeit, in der das nicht üblich war. Alle sollten die Bibel lesen können. Luther stand auch für zivilgesellschaftliches Engagement, persönliche Verantwortung und dafür, seine Überzeugung im Alltag zu leben. Das kann immer noch ein Vorbild sein – für alle.

Das komplette Interview lesen sie in der gedruckten Montagsausgabe der Werra-Rundschau.

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