Jagdverein Hubertus gibt Hinweise zum Mähen von Wiesen im Frühjahr

Rehkitze vor dem Tod retten

Eschwege. Sie sind der ideale Lebensraum für neugeborene Rehe: Wiesen. Doch gerade jetzt zur Mähzeit wird es dort gefährlich für die Kitze.

In dem undurchdringlichen Dschungel der Grashalme und Blüten sind sie, wenn sie von der Mutter abgelegt werden, für ihre natürlichen Feinde aufgrund des fast fehlenden Eigengeruchs und dem gefleckten Fell fast unauffindbar.

Gegen die unnatürlichen Feinde aber bringen diese Eigenschaften nichts: Leistungsstarke Traktoren, oftmals mit mehreren Kreisenmähwerken bestückt, mähen in hoher Geschwindigkeit die großen Wiesenbeschläge in kürzester Zeit ab. Für die neugeborenen Rehe, aber auch für Rebhühner und Feldlerchen, sind diese Messer tödlich.

„Der erste Silageschnitt fällt in machen Jahren fast genau mit dem Geburtstermin der Rehkitze zusammen“, sagt Dr. Jörg Brauneis vom Jagdverein Hubertus Kreis Eschwege. Für die Tiere sei das schlecht, weshalb sich die Jäger seit Jahrzehnten in ihrem Bemühen um den Schutz des Wildes gegen den „Mähtod“ einsetzen. Deshalb beobachten sie schon in den Wochen vor dem Mähen die Ricken, um ihren bevorzugten Aufenthaltsort und damit den vermuteten Setzort herauszufinden. Durch ein enges, partnerschaftliches Verhältnis mit den Landwirten erfahren die Jäger rechtzeitig den Mähtermin.

„Am Abend vor dem Beginn des Mähens werden optische Scheuchen wie Ballons, Folien oder Säcke in der Wiese und am Rand aufgestellt“, erklärt Brauneis das Vorgehen, „um die Ricken zu beunruhigen und zu veranlassen, schon gesetzte Kitze in der Sicherheit der Nacht aus der ungemütlich gewordenen Wiese herauszuführen.“

Schutzlos gegenüber den Mähmaschinen: ein Rehkitz. Foto: privat

Unmittelbar vor dem Mähen werde dann die Wiese mit mehreren Helfern abgesucht. Wenn ein Kitz gefunden ist, könne es in seiner Schutzstarre leicht aufgenommen und aus der Wiese getragen werden. „Dabei darf es nur sehr vorsichtig mit einem dicken Büschel Gras angefasst werden, um zu verhindern, dass der Geruch der Hände des Retters sich auf das Kitz überträgt“, sagt Brauneis. Denn den fremden Geruch würde die Ricke später als die Witterung des Menschen erkennen und ihr Junges möglicherweise verstoßen.

Die Kitze werden dann in einen weichen, gut luftdurchlässigen Sack verpackt und im Schatten abgelegt. Erst, nachdem die Wiese komplett gemäht ist, werden sie in der nächsten sicheren Deckung abgelegt. „Am Abend überzeugt sich der Jäger aus der Ferne, dass die Ricke ihr Kitz wieder gefunden und angenommen hat.“ (red/cow)

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