Rehkitze vor dem Mähdrescher retten: Tiere nicht berühren, Jäger informieren

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Gerettet: Jagdpächter Manfred Oehl aus Grebendorf zeigt, wie es richtig geht. Foto: nh

Eschwege / Witzenhausen. Bei der frühen Mahd der Wiesen zur Silagegewinnung und bei der späteren Heuernte werden bundesweit alljährlich etwa 100.000 Kitze, Junghasen und Bodenbrüter tödlich verletzt.

Werden die Jungtiere nicht vor dem Mähen entdeckt, drücken sich die Tiere instinktiv vor dem lärmenden Traktor in das hohe Gras, bis sie vom Mäher erfasst und zerstückelt werden, warnt der naturkundige Dr. Jörg Brauneis aus Eschwege.

Neben neuesten Hightech-Methoden der Jungwildrettung, bei denen Infrarot- und Mikrowellendetektoren eingesetzt werden, hätten sich auch traditionelle Mittel bewährt: „In manchen Regionen werden etwa schon Oktokopter, Minihubschrauber mit Infrarotdetektor und Videokamera, eingesetzt“, erklärt Brauneis. Dies ermögliche binnen kurzer Zeit eine effiziente Jungwildrettung auf großer Fläche. Infrarottechnik, teilweise kombiniert mit Mikrowellendetektoren komme auch in handlichen Suchgeräten zum Einsatz, mit denen Jungwild aufgespürt werden kann.

Eine einfache und kostengünstige, aber wirkungsvolle Methode zur Rettung des Jungwildes wenden laut Brauneis viele Jäger im Werra-Meißner-Kreis an: Sie würden rechtzeitig vor der Mahd auf Pfählen kleine Plastikwindmühlen aufstellen, die in jedem Spielwarengeschäft erhältlich seien, oder heliumgefüllte Luftballons an höhere Grashalme binden. „Das ungewohnte surrende Geräusch der Mini-Windmühlen und die Bewegungen der Luftballons im Wind vertreiben Muttertiere und Nachwuchs aus dem hohen Gras“, sagt Brauneis.

Grundsätzlich sollten Landwirte die ortsansässigen Jäger rechtzeitig über die Mähtermine informieren. Nur dann können die Grünröcke am Morgen vor der Mahd Infrarotdetektoren einsetzen oder am Vorabend auf den Wiesen leere Dünger- und Kunststoffsäcke als Wildscheuchen aufstellen. Jäger können das Wiesenstück auch kurz vor der Mahd mit dem zuverlässigen Jagdhund durchsuchen, empfiehlt Brauneis. „Wird ein Rehkitz gefunden, darf es aber nur mit Grasbüscheln angefasst und aus der Gefahrenzone getragen werden, damit ihm kein menschlicher Geruch anhaftet“, macht Brauneis deutlich. Ansonsten würde die Rehmutter das Kitz aufgrund der fremden Witterung nicht wiedererkennen und es müsste jämmerlich verhungern.

Der Vorsitzende des Jagdvereins Hubertus Kreis Eschwege, Rainer Stelzner, bittet deshalb alle Naturfreunde, die scheinbar verwaiste Jungtiere finden, diese auf keinen Fall zu berühren, sondern sofort den zuständigen Jäger oder Förster zu benachrichtigen. (dir)

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