35. Poetry-Slam in der Schlüsselblume

Das ist der Rhythmus des Lebens

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Der Student Max überzeugte mit seinem Auftritt.

Niederhone. Klontik spielten den Blues - erkältet zwar, aber dafür knarzte es umso schöner. Doch auch die Sprache allein kann Musik sein, und so gekonnt, wie Leonie aus Gelsenkirchen sie vortrug in jedem Fall: Als Rap - großstadtgrau und gedankenschwer. Denn darum ging es beim 35. Eschweger Poetry Slam des Vereins Schlüsselblume in Niederhone, dem Dichter- oder Lyrik-Interpretationswettstreit: Um den Rhythmus des Lebens, in Sprache schön verpackt. Und wenn nicht schön, dann wenigsten eigen.

Mit ihren neun Jahren stellte sich Amelie aus Treffurt als jüngste Vortragende auf die Bühne, um tapfer ihren Reim ins Mikrophon zu sprechen. Und vor intellektuellem Publikum, erwartungsvoll bei Wein und Bier und Tee, war das allein schon eine tolle Leistung. Macht sie so weiter, kann sie dort ankommen, wo Gast-Star Harry Baker aus London heute schon ist. Tiefgründige Texte über Liebe und Dinosaurier oder eine Gesellschaft aus Papier intonierte der Poetry-Slam Weltmeister akzentuiert und gut durchdacht. Charmant auf britisch.

Doch die deutsche Poetry-Slam Szene kann mithalten. Teils herbstlich-depressiv wie Gastgeberin Andrea Römer: „Der Baum ist tot, die Rinde steht noch.“ Teils keck und komisch wie Student Max aus Bamberg. Dichter haben keine Eier, lautete seine These: „Lyrik, Prosa, Dramen schreiben und immer schön zu Hause bleiben!“ Das erschwert die Fortpflanzung - so dass am Ende nur die Dummen bleiben. Keine ganz abwegige Erkenntnis. Für seine Kunst, das Absurde auf den Punkt zu bringen gab es für ihn am Ende per Publikumsvotum den Sieg.

Doch hätten die übrigen Vokalakrobaten ihn nicht weniger verdient, bescherten sie alle den zahlreichen Zuhörern einen unterhaltsamen Abend. Wie Torben aus Göttingen, der über die große Frage nachdachte, ob seine Mutter mit Weichspüler die Handtücher gegen Wasser zu imprägnieren versuche? „Ist es denn die primäre Aufgabe des Handtuchs, weich zu sein? Zum Händetrocknen nimmt man dann Klopapier.“ Auch Paul aus Schleswig-Holstein schrieb eine Ode an seine Mama: „Meine Mutter hat zwei wunderbare Kinder zur Welt gebracht - und mich“, sagte er. Dass sie auch mit Feuerwerk auf Katzen schießt … sei mal dahingestellt. Jedenfalls machte Peter Klebe aus Eschwege sich noch ein paar Gedanken über die Sanierung des Marktplatzes auf der Gitarre: „Die Pflastersteine werden in China bestellt. Tu’s hier geht anders - doch dafür spart man Geld.“ Jepp!

Von Kristin Weber

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