Musik-Kabarettist Michael Krebs im E-Werk

Rocken mit Wortwitz und Ironie

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Musik-Kabarettist Michael Krebs rockt auf dem Klavier. Aber er kann auch die leisen Töne, gewürzt mit frecher Ironie und all das locker aus der Hand geschüttelt.

Eschwege. Bei seinem Auftritt auf dem Open-Flair-Festival in Eschwege im vergangenen Sommer hat Musik-Kabarettist Michael Krebs sich offenbar so wohlgefühlt, dass er gleich wiederkam, als der Arbeitskreis Open-Flair ihn zum Winter-Gastspiel ins E-Werk einlud.

Alle Krebs-Fans waren auch wieder da, und so bestand die Schwierigkeit für den Schwaben vielleicht sogar am ehesten darin, sich nicht zu wiederholen.

Mal stehend laut mal sitzend leise am Klavier verarbeitete der Comedian musikalisch, was die Generation um die Dreißig heute so beschäftigt, wie etwa die zunehmende Belästigung durch soziale Netzwerke und nervtötendes Telefonmarketing. „Da erzählen sie einem, man wäre auserwählt worden, und ich freue mich schon. Denn als Auserwählter bekommt man ein Lichtschwert oder man darf einen Ring in den Vulkan werfen - aber nein, ich hatte nur einen Telekom-Mitarbeiter am Telefon“, erzählt der Musiker in seinen Songs, die vom Wortwitz leben und von der frechen Ironie. Die neuen Medien ebenso wie der Umgang mit diesen standen am Abend auf dem Prüfstand. Beim Apple-Song sollte auch das Publikum mitsingen. Das klappte nich ganz so, wie gewünscht. „Aha, es ist also noch ziemlich viel Microsoft im Raum“, seufzte Krebs und griff weiter rasant in die Tasten. Ob Jugendliche, die in den 80er-Jahren groß geworden sind, überhaupt Chancen auf eine vollwertige Erziehung hatten?, fragt er.

Völlig ohne Super-Nanny, ohne Schuldnerberater oder die Förderung von musikalischem Talent durch öffentliche Castings? „Aber wir wollten doch auch ne stille Treppe, wollten auch ADHS oder Komasaufen. Stattdessen hatten wir Jean Pütz und die Sendung mit der Maus.“

Trotz aller Defizite scheint sich der junge Mann dennoch gut entwickelt zu haben. Sein Glanzstück schließlich lieferte Michael Krebs zur Freude der Fans noch einmal mit der Nummer vom Flüsterfuchs, die auch den Einsatz der E-Gitarre beinhaltete. Dies zusammen mit einer Theorie-Lektion zum Thema Trash-Metal und einigen musikalischen Variationen über „Nothing Else Matters“ von Metallica. Und natürlich kam auch das Thema sexuelle Erfahrungen beim Jungen Wilden der Musik-Kabarett-Szene im vollen E-Werk nicht zur kurz.

Von Kristin Weber

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