Bei den Werraland Werkstätten

Ehemaliger Langzeitarbeitsloser Rolf Winter findet neue Berufung

Spielerisch lernen: (von links) Rolf Winter und Christian Heinz sind ein eingespieltes Team. Der 46-jährige Eschweger Winter hat seine Berufung gefunden. Foto: Winter

Eschwege. 20 Jahre war Rolf Winter in der Metallbranche tätig. Dann wurde er arbeitslos. Für den 46-jährigen Eschweger ein Schock. „Wie geht es nur weiter?“ war die quälende Frage, die dem Familienvater keine Ruhe mehr ließ.

Jahre vergingen: „Man muss aufpassen, dass man seinen Antrieb nicht verliert“, sagt Winter. „Es wurde mit der Zeit immer schwerer, sich selbst zu motivieren, nicht aufzugeben, weiter seine Chance zu suchen.“

Den Plan für seine berufliche Zukunft hatte er längst im Kopf, er wollte in die Senioren- oder Behindertenbetreuung. „Doch mir wurde von der Agentur für Arbeit gesagt, ich sei zu alt für eine Ausbildung“, sagt Winter. Er könne in der Logistik-Branche als Ungelernter arbeiten. Doch der 46-Jährige gab nicht auf.

Nachdem er kein Arbeitslosengeld I mehr beziehen durfte, war das Jobcenter Werra-Meißner für ihn zuständig. Ein Glücksfall für Winter. Denn das stellte für ihn den Kontakt zu den Werraland- Werkstätten her. „Möglich machte das ein Modellprojekt des Bundesarbeitsministeriums, das zum Ziel hatte, langzeitarbeitslose Menschen wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagt Christian Müller vom Jobcenter des Kreises.

Dabei geht es darum, Langzeitarbeitslosen als sogenannte „Bürgerarbeiter“ mit Hilfe von Praktika die Möglichkeit zu geben, in Unternehmen reinzuschnuppern. „Das Passende für den Einzelnen zu finden, gestaltet sich nicht immer leicht“, sagt Müller.

Anders bei Rolf Winter. Er ergriff seine Chance. Er absolvierte die Qualifizierung für die Betreuung Demenzkranker. Im Anschluss daran machte er ein Praktikum im Berufsbildungsbereich der Werraland Werkstätten. „Rolf Winter ist ein sehr einfühlsamer, kommunikativer Mensch und darüber hinaus auch sehr flexibel“, sagt Werkstatt-Leiterin Michaela Harnge.

Internen Schulungen schließt sich jetzt noch eine sonderpädagogische Zusatzausbildung an. „Vom Gleisbauer zum Betreuer von behinderten Menschen – vor Rolf Winter und seinem Willen kann man nur den Hut ziehen“, sagt Sonja Lengwenus-Lange, zuständige Sachbearbeiterin bei den Werraland Werkstätten.

Das sieht auch Christian Müller vom Jobcenter so: „Ich habe Rolf Winter lange begleitet, er ist immer selbstbewusster geworden und durch seine Aufgabe bei den Werraland Werkstätten regelrecht aufgeblüht.“ Müller bezeichnet Winter als Paradebeispiel, das zeige, dass ein Quereinstieg gelingen könne.

Und Rolf Winter sagt rückblickend: „Der Moment, in dem mir Frau Harnge meinen Arbeitsvertrag zur Unterzeichnung übergab, war der glücklichste seit vielen Jahren.“ (red)

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