Vom Ruder-Virus infiziert

Porträt: Karl-Heinz Schmitz trainiert seit 42 Jahren die Rennmannschaft

Hat alles unter Kontrolle: Karl-Heinz Schmitz, der die Eschweger Ruderer trainiert. Foto: Hauffe/nh

Eschwege. Rudern, besonders die Rennvariante, ist ein naturverbundener Wassersport, der Kraft und Ausdauer, Teamgeist und Dynamik gleichermaßen verbindet. Einer, der es wissen muss, ist Karl-Heinz Schmitz, seit über vier Jahrzehnten Trainer der Rennmannschaft des Eschweger Rudervereins.

Wenn er am Johannisfestsamstag seinen 77. Geburtstag feiert, sind die Termine für die jungen Dietemänner bereits festgezurrt, sind es einmal mehr die Hessischen Meisterschaften am 3./4. Oktober auf dem Werratalsee, die im Fokus von Karl-Heinz Schmitz und seinen Rudertalenten stehen. „Wer sich durchringt regelmäßig zu trainieren, kann beim Rudern viel erreichen. Natürlich braucht es Disziplin, Ehrgeiz und Ausdauer, um mehrmals pro Woche oder sogar täglich ins Boot zu steigen“, skizziert der ERV-Trainer die Grundvoraussetzungen, um einmal ganz oben auf dem Siegerpodest zu stehen.

In Deutschland hat das Rudern eine über 150-jährige Tradition, beim Eschweger Ruderverein sind es in diesem Jahr 110 Jahre. Ein langer Weg, der gekennzeichnet ist von Training und Schweiß, aber auch von zahlreichen überregionalen Erfolgen wie Hessenmeisterschaften und Medaillengewinnen bei deutschen Meisterschaften. Ganz eng damit verbunden ist der Name von Karl-Heinz Schmitz, der auf über 1600 Siege seiner Schützlinge, errungen auf den Flüssen und Seen Deutschlands zurückblicken kann. Belohnt wurde das ehrenamtliche Engagement des 76-Jährigen bereits 2008, als der damalige Bürgermeister Jürgen Zick den Ehrenbrief des Landes Hessens an Karl-Heinz Schmitz überreichte. 2013 erhielt er die goldene Ehrennadel des Hessischen Ruderverbandes.

„Immer wieder hat er es geschafft, neue Talente zu wecken und zu fördern“, hieß es in der damaligen Laudatio. Und so steht er auch heute noch am Steg oder begleitet seine Athleten im Motorboot, immer darauf bedacht, eventuelle Technikfehler sofort zu korrigieren. In jungen Jahren selbst erfolgreicher Rennruderer im Vierer und Achter beim RV Cassel, war der spätere Bundestrainer Alfred Trümper sein Lehrmeister und Mentor. „Er hat uns mit dem Ruder-Virus infiziert, der bis heute noch festsitzt“, blickt Karl-Heinz Schmitz nach vorne.

1972 nach Eschwege gekommen, steuerte er zusammen mit Henner Hoffmann, Rüdiger Mielke, Manfred Heckmann und Hans-Eugen Werner die Werra rauf und runter. Dann war es Vorsitzender Horst Hesse, der einen adäquaten Trainer für vier hoffnungsvolle Talente - Dr. Ingo Bevern, Ingo Götting, Michael Hesse und „Maggi“ Marquard - suchte und in Karl-Heinz Schmitz fand. In den folgenden Jahren wurden die Rennruderer des ERV zu einer festen Größe im überregionalen Rudersport.

Und Karl-Heinz Schmitz wäre ein schlechter Trainer, hätte er nicht weitere Talente unter seinen Fittichen. Benedikt Eggeling feiert derzeit Rudererfolge in England, während Nina Becker, Fabian Grünefeld, Jonas Weinreich und Michelle Hesse auf dem besten Weg nach ganz oben auf das Siegerpodest sind.

Von Dieter Möller

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