Friedrich-Wilhelm-Schule mit Andachts- und Meditationsraums

Ort für Rückzug und Stille

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Raum der Stille: Michael Dölle, Andrea Swoboda, Nadja Aschenbrenner, Pfarrer Dr. Michael Dorhs, David Alsleben, Jan Rudolf, Dr. Hans-Joachim Vock, Clara Pauline Herwig, Laura Wehr, Kaplan Josef Alber und Lukas Kranz bei der Eröffnung. Foto: Sagawe

Eschwege. Einen Raum der Stille gibt es jetzt in der Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege. Der soll der Meditation dienen und den Kindern die Möglichkeit geben, sich zurückziehen zu können.

Die Wände sind in warmen Farben gehalten, gedämpftes Licht wirkt beruhigend, in der Ecke stehen Kerzen, um einen hellen runden Teppich auf Parkettboden sind rote Sitzpolster gruppiert: Seit gestern besitzt die Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege einen Andachts- und Meditationsraums.

Mit Unterstützung der evangelischen und katholischen Kirche hat die Schule den Raum der Stille im Untergeschoss eingerichtet. „Die Anlässe zur Nutzung ergeben sich aus dem Alltag“, sagte Religionslehrer Michael Dölle bei der Eröffnung, „die Kinder haben jederzeit Gelegenheit, sich zurückzuziehen.“ Für seine Kollegin Nadia Aschenbrenner ist es „wichtig, ein christliches Zeichen zu setzen“. „Uns fehlte ein Rückzugsort, wir haben Bedarf an einem Raum für vertrauliche Gespräche“, sagt sie, „dafür ist ein großes Klassenzimmer nicht geeignet.“

Neben der Unterstützung der beiden Kirchen hat vor allem viel eigene Arbeit die finanziellen Anstrengungen für die Schule im Rahmen gehalten. Der Kreis beteiligte sich am Ausbau, der Hausmeister hat den Anstrich übernommen. Insgesamt wurden rund 2500 Euro in den Andachts- und Meditationsraums investiert.

In moderner Kirche beten

Modelle von Kirchen, wie junge Menschen sie sich vorstellen, sind jetzt an der Friedrich-Wilhelm-Schule entstanden: Die Gebäude außen häufig in sehr moderner Architektur und kreativer Formgebung, die Innenräume großzügig und von Licht durchflutet. In Arbeitsgruppen haben die Schüler der Klasse 9c des Eschweger Gymnasiums ihre Utopien und Idealvorstellungen einer attraktiven Kirche gestaltet.

Zuvor hatten die Jugendlichen das Thema Kirche mit Religionslehrerin Nadja Aschenbrenner erarbeitet. Dabei haben die Schüler auch inhaltlich ein eignes Gemeindekonzept entwickelt. Die jungen Christen wünschen sich eine ökumenische, also konfessionsübergreifende Kirche, sie sprechen sich für die Jugendtaufe aus und lehnen hierarchische Strukturen innerhalb der Gemeinde ab. Auf einen Kirchenvorstand würden sie verzichten.

Das Abendmahl möchten sie ersetzen durch regelmäßiges gemeinsames Essen in der Gemeinde und die Gottesdienste sollten später beginnen. (hs)

Pfarrer Dr. Michael Dorhs von der evangelischen Landeskirche mahnte während der Einweihungsfeier zu bedenken, dass „wir als Menschen mehr sind als die Summe unserer Leistungen“. Der Ort stehe als Platzhalter dafür, dass „unser Wert nicht nur aus Leistung besteht“.

Schulleiter Dr. Hans-Joachim Vock berichtete von der „langen Geschichte“ des Raumes im Untergeschoss des Gymnasiums. Zunächst sei er Teil der Hausmeisterwohnung gewesen, später Arbeitsraum und Abstellkammer für Musikinstrumente, vorübergehend auch einmal illegales Raucherzimmer. „Jetzt dient er der Meditation, der Ruhe, der Andacht“, sagte Dr. Vock.

Kaplan Josef Alber von der katholischen Sankt-Elisabeth-Kirche in Eschwege segnete das Zimmer und betete gemeinsam mit Lehrern und Schülern zur Eröffnung.

VonHarald Sagawe  

- Wer möchte, kann sich den Raum der Stille am kommenden Samstag, 14. Februar, zwischen 10 und 13 Uhr beim Tag der offenen Tür anschauen.

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