Industrie bislang aber kaum betroffen

Russland-Krise rückt näher: Landwirte leiden unter Preisverfall

Werra-Meißner. Die Russland-Krise scheint weit weg – und hat doch Auswirkungen auf unsere Region. Seit Russland als Gegenmaßnahme zu den EU-Sanktionen die Einfuhr von vielen Lebensmitteln verboten hat, kämpfen vor allem die heimischen Landwirte mit sinkenden Preisen.

„Die Schweinepreise befinden sich auf einem Tief wie seit drei Jahren nicht mehr“, teilt Franziska Wollandt vom Kreisbauernverband (KBV) Werra-Meißner mit. Grund sei neben dem Ausfall des Russland-Geschäfts auch, dass nun vor allem aus den Niederlanden günstige Tiere auf den deutschen Markt kommen, die nach Russland exportiert werden sollten. „Zunächst war der Preisrückgang nur bei den Schlachtschweinen zu spüren“, so Wollandt. Mittlerweile sinken auch die Preise für Mastschweine und Ferkel, was vor allem für die 17 Betriebe zu einem Problem werden kann, die mehr als 250 Sauen halten. Insgesamt gibt es im Kreis 399 Schweinehalter, die zwischen zwei und 2500 Tiere halten und vor allem im Bereich Waldkappel, Wehretal und Sontra angesiedelt sind.

Auch die Preise für Milch, Obst und Gemüse seien im Keller. „Obst- und Gemüseproduzenten gibt es im Werra- Meißner Kreis aber kaum“, so Wollandt. Der KBV würde ein Ende der Sanktionen begrüßen, so Wollandt. Sie seien nachvollziehbar, würden aber vor allem zu Lasten einer einzigen Berufsgruppe gehen.

Andere Betriebe im Kreis sind durch die Krise eher mittelbar betroffen, weil nur wenige Firmen intensive Geschäftsbeziehungen zu Russland oder der Ukraine haben, teilt Norbert Claus von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Kassel mit. Probleme hätten bislang etwa Zulieferer für die Automobil-Industrie. Die Lage könne sich aber auch verschärfen, so Claus: „Gelingt es nicht, zu einem vertrauensvollen Miteinander zurückzukehren und jede weitere Eskalation der Situation zu vermeiden, können die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft von langer Dauer sein.“ (fst)

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