Sanitätshäuser fürchten um ihre Existenz

Werra-Meißner. Sanitätshäuser in ganz Deutschland und auch im Werra-Meißner-Kreis fürchten um ihre Existenz und sehen die wohnortnahe Versorgung von Patienten gefährdet.

Der Grund: Anfang des Jahres hat die DAK Aufträge für Rollstühle überregional ausgeschrieben. Für Produkte wie Erwachsenenwindeln gibt es die Praxis schon länger. Jetzt weitet sie sich auf teurere Produkte aus. „Dadurch verlieren wir jährlich Absatz-Segmente“, sagt der Geschäftsführer eines Sanitätshauses im Werra-Meißner-Kreis, der namentlich nicht genannt werden will. Der Kostendruck setze Anbietern vor Ort zu. „Der Preis für einen Rollstuhl vom Großanbieter liegt teilweise unter 100 Euro. Dafür kann ich nicht mal einen einkaufen“, sagt er.

Für den Preis verpflichtet sich ein Sanitätshaus auch fünf Jahre lang, das Gerät im Schadensfall zu reparieren. „Aus Kundengesprächen weiß ich, dass mit dem Großanbieter vereinbarte Fristen bezüglich Reparatur oder Ersatz nicht eingehalten werden, sodass Patienten mehrere Tage lang warten müssen“, sagt der Sanitätshaus-Chef. Er dürfe den Rollstuhl eines anderen Anbieters nicht wieder instandsetzen. „Wir stellen sofort Ersatz zur Verfügung und kümmern uns umgehend um Reparaturen unserer Geräte.“

Auch Alf Reuter, Geschäftsführer des Orthopädie-Technischen Zentrums (OTZ) Hessisch Lichtenau und Vorstandsmitglied der Bundesinnung für Orthopädie-Technik, sieht eine schlechtere Versorgung. Die Existenzsorgen beträfen das OTZ aber nicht. Er moniert, dass Unternehmen von anderswo das Verkaufsgespräch per Telefon führten. „Aber nur mit einem Besuch kann ein kranker Mensch einen individuell angepassten Rollstuhl bekommen, sonst nur einen standartisierten.“

Das Handeln der DAK sei nur durch den Aspekt geringerer Kosten motiviert, ohne Blick auf die Qualität, so Reuter. „Zudem ist die freie Lieferantenwahl nicht mehr gegeben.“

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