Ermittelter Täter ist schuldunfähig

Schaden, den keiner zahlt: Zwei Brände zerstören Existenz eines einstigen Paares

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Haben sich mittlerweile getrennt und leben in Niddawitzhausen: Theodor Renz und Ramona Kendler verloren durch mehrere Brände ihre Existenzgrundlage. Den Schaden haben sie noch nicht ersetzt bekommen. 

Sontra/Niddawitzhausen. Theodor Renz und Ramona Kendler tourten mit einer Reptilienausstellung durch Deutschland. Dann zerstörten zwei absichtlich gelegte Feuer die Existenzgrundlage des damaligen Paares. Das Problem: Der von der Polizei ermittelte Täter ist schuldunfähig. Bisher ist noch niemand für den Schaden aufgekommen.

Zwei Schildkröten sind Theodor Renz und Ramona Kendler geblieben. Noch bis vor zwei Jahren tourten die beiden mit der Ausstellung „RKendlers Reptilien“ durch ganz Deutschland. Mit einer wichtigen Mission: „Wir haben die Besucher auf Messen und Festen darauf aufmerksam gemacht, wie exotische Tiere artgerecht gehalten werden“, sagt Kendler. Zu den tierischen Stars der Ausstellung gehörten Leguane, Affen, Schildkröten und verschiedene Insekten.

Doch durch zwei Brände im August und Oktober 2013 verlor das damalige Paar seine Existenzgrundlage. Seitdem kämpfen Renz und Kendler darum, zumindest Teile des entstandenen Schadens ersetzt zu bekommen. Bislang waren alle Anstrengungen vergeblich. Ein Sachverständigenbüro beziffert die Höhe des bei den Bränden entstandenen Schadens auf 114 000 Euro.

Die Polizei ermittelte recht schnell den Brandverursacher. Das Problem: Der heute Zwanzigjährige damalige Nachbar von Renz und Kendler, der die Feuer legte, ist laut eines Urteils des Eschweger Amtsgerichts aus dem Jahr 2015 geistig behindert und nach dem Gesetz möglicherweise schuldunfähig. Im Urteil heißt es: „Bei dem Angeklagten liegt eine mittel- bis leichtgradige Intelligenzminderung vor.“

Zu Tatzeiten nicht zuhause

Theodor Renz erinnert sich an die Tatnacht zurück: „Wir waren gerade auf einer Messe in Landshut zu Gast. Das Feuer wurde um kurz nach sechs Uhr morgens gelegt. Die Nachbarn haben uns verständigt.“ Beim ersten Feuer brannte eine Holzhütte komplett ab. Die Flammen griffen auch auf einen Pferdeanhänger über, der ebenfalls ausbrannte. Außerdem wurden zwei auf dem Grundstück abgestellte Wohnwagen beschädigt.

Nur knapp acht Wochen später brannte es erneut: Wieder war das Paar nicht anwesend, diesmal in Halle unterwegs. Der Täter betrat das Grundstück der Geschädigten wieder gegen 6.25 Uhr, entfachte dieses Mal Feuer zwischen zwei Sattelaufliegern. Die dienten als Lagerstätte für Möbel, Stoffe und Teppiche. Laut Urteil leiden beide Geschädigten bis heute auch gesundheitlich unter den Folgen der Taten.

Entschädigung bleibt aus

Bislang haben Renz und Kendler keine Entschädigung erhalten. Noch immer stehe nicht genau fest, ob und welche Versicherung in Anspruch genommen werden kann.

Infolge der Brände fühlte sich vor allem Ramona Kendler in Sontra nicht mehr sicher. Sie sagt: „Der nächste Brand hätte theoretisch jederzeit gelegt werden können.“ Beide zogen schließlich von Sontra nach Niddawitzhausen. Fast alle der rund 20 Tiere mussten die beiden abgeben. Noch immer erreichen Renz und Kendler Anfragen für Messen. Wenn sie könnten, würden sie sofort wieder auf Tour gehen. Dafür fehlen derzeit aber jegliche finanzielle Mittel.

Der gesetzliche Betreuer des verurteilten Brandlegers war am Freitag bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Anwalt sieht eine letzte Chance

Vertreten wird Theodor Renz durch den Kasseler Fachanwalt für Versicherungsrecht, Wolfgang Löffler. Er sagt: „Die Möglichkeit, dass mein Mandant die Summe ersetzt bekommt, besteht. Wir befinden uns derzeit noch in einem Verfahren vor dem Landgericht Kassel. Die Schuldfähigkeit des jugendlichen Brandverursachers ist allerdings eine große Frage. Greifen könnte die Haftpflichtversicherung des Betreuers oder der Pflegefamilie des jungen Mannes. Gäbe es keine reelle Chance auf Erfolg, hätte das Gericht die Klagen erst gar nicht zugelassen. Die ganze Angelegenheit ist für Theodor Renz und Ramona Kendler extrem existenzgefährdend.“ (jpf)

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