Badesalz-Komiker Henni Nachtsheim trainierte im E-Werk die Lachmuskeln

Den Schal enger schnallen

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Auch allein grandios: Die Mischung von Badesalz-Komiker Nachtsheim aus ansteckender Fröhlichkeit, Selbstironie, Publikumsbeteiligung und nicht zuletzt der hessische Dialekt brachte alle zum Lache

Eschwege. „Den Schal enger schnallen und in die Ohren spucken", seit rund vier Jahren tourt Henni Nachtsheim mit diesem Bühnenprogramm zu seinem gleichnamigen Buch durch die Lande. Am Samstag gastierte der Komiker damit im E-Werk.

Entstanden ist das Buch aus Kolumnen über Fußballverein Eintracht Frankfurt, deren bekennender Fan Nachtsheim ist. Um das Buch zu vermarkten, habe sein Verleger eine Lesereise angesetzt, erzählt Nachtsheim. Dumm nur, dass er eines hasst wie die Pest: Lesungen. „Da kriech isch immä Pickel“, erklärte der Hesse mit Herz. Dementsprechend wurde die Veranstaltung dann als „Comedy-Lesung, ohne wirklich zu lesen“ umgestaltet. „Besinn Dich auf das, was Du kannst“, sagte der Komiker zu sich selbst und das Ergebnis war ihm auch sofort klar: „Schwätzen!“. Diesem Motto getreu legte Henni, der eigentlich Hendrik heißt, gleich los. „Wer bin ich?“, begrüßte er die Gäste im E-Werk. Schließlich gehe es ja so schnell, dass man irgendwo verkehrt sei, und er wolle nicht, dass sich wegen des Schals im Programmtitel jemand vom Strickseminar in sein Programm verirrt.

Auch die Erklärung, warum er nicht gern vorlese, blieb Henni nicht schuldig. Er habe bei einem befreundeten Pärchen die Kinder ins Bett gebracht, und denen hätten beim Vorlesen mit den Worten „Die Mama liest schon scheiße aber Du bist echt die Krönung“ die Lachtränen in den Augen gestanden.

Ein Engel habe ihm drei Wünsche gewährt, lies er die Zuschauer anschließend wissen. Unter Anderem wünschte Henni sich eine stärkere Beachtung des Hessen. So könne er sich einen Agentenfilm mit dem Namen „Null Null Sibbe“ vorstellen, in dem der Held seinen Martini folgendermaßen bestellt:“ Tun se n Handkäs nei, lasse se de Oliv drauße.“

Als nächstes nahm Henni die Zuschauer mit auf eine Reise in seine Jugend, in der er als Politfreak in der Fußballmannschaft auf illustre Typen wie den dichtenden Metzgerssohn Hennes traf und zitierte dessen Gedicht „Sehnsucht“: „Erst ess ich Wurscht, dann krieg ich Durscht“. Es folgten noch abstruse Geschichten aus seiner Stammkneipe „Schoppeklopper“ und dann las Hessens Vorzeigekomiker doch noch aus seinem Eintracht-Tagebuch vor.

Das Fazit des Abends: Jede Menge Lachmuskelkater, auch für Fußballmuffel.

Von Wolfram Skupio

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