Gemeinsam mit dem Kreis erstellt die Stadt derzeit ein Immobilien-Netzwerk

Schandflecke, die kosten

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Das alte Fahrradgeschäft im Brühl ist nicht nur hässlich, sondern stellte durch lockere Bausubstanz und kaputte Glasscheiben bereits mehrmals eine Gefahr für Passanten dar.

Eschwege. Es ist ein wahrer Schandfleck mitten in der Innenstadt. Das ehemalige Fahrradgeschäft der Familie Steinmetz neben Waffen-Geller im Brühl wirkt alles andere als einladend. Doch die Beseitigung derartiger Schandflecke ist - wie das Beispiel Spenner-Haus zeigt, das nach rund 25 Jahren Leerstand erst kürzlich abgerissen wurde - viel komplizierter, als man denkt.

„Wir werden von Städten und Gemeinden oder auch von Privatpersonen auf marode Gebäudeteile hingewiesen, die die Verkehrssicherheit gefährden, und setzen wiederum den Eigentümer von seiner Instandhaltungspflicht in Kenntnis“, erklärt Lothar John, stellvertretender Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt im Werra-Meißner-Kreis. Käme der Eigentümer der Aufforderung nicht nach, müsse der Kreis in Vorlage treten.

War es in den vergangenen Jahren lediglich jährlich ein Haus, das vom Kreis instand gesetzt werden musste, lief im Dezember letzten Jahres die Auftragsausschreibung für das sechste baufällige Objekt aus, das voraussichtlich im Februar abgerissen wird. Einen Betrag in sechsstelliger Höhe musste der Kreis 2012 dafür aufwenden. Kommt der Eigentümer der Aufforderung seitens des Kreises nicht nach, ist die Bauaufsicht gemäß der Verkehrssicherungspflicht verpflichtet, in Vorlage zu treten, um die Sicherheit der Passanten zu gewährleisten. Da viele Eigentümer von Abrisshäusern nicht solvent sind, treffen die Instandsetzungkosten letztendlich den Steuerzahler.

„Beim alten Fahrradgeschäft im Brühl haben wir 2003 die erste Mitteilung erhalten, dass die Giebelwand zum Nachbarn nicht mehr standsicher ist“, berichtet John. Die Fassade des Hauses wurde abgenommen und eine eingeschlagene Glasscheibe durch eine Holzverschalung ersetzt. Die Verwaltung des Eigentums gestalte sich in diesem Fall ebenfalls schwer: „Beim Ehepaar Steinmetz ist bereits ein Partner verstorben, der andere lebt in Pflegschaft, der Sohn als Alleinerbe wohnt weit weg.“ Potenzielle Käufer habe er vor ein paar Jahren mit horrenden Preisvorstellungen abgeschreckt. Auch die Stadt sieht sich aufgrund ihrer defizitären Situation nicht in der Lage, das Haus zu kaufen. „Wir sind jedoch bereits mehrmals an den Eigentümer mit der Bitte herangetreten, in das Haus zu investieren - bis jetzt jedoch erfolglos“, resigniert Bürgermeister Heppe. Gemeinsam mit dem Kreis sei die Abteilung Stadtplanung der Stadt Eschwege jedoch momentan dabei, ein Immobilien-Netzwerk zu erarbeiten. „Dabei müssen wir immer erst den Eigentümer fragen, ob wir die Daten veröffentlichen dürfen“, erklärt Heppe.

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