Schausteller beim Johannisfest: Familie Nier aus Kassel kommt seit mehr als 50 Jahren

Stolz auf ihre Fahrgeschäfte: Familie Nier (von links Margarete und Herbert mit Schwiegertochter Sylvia und Sohn Bernd) aus Kassel kommt seit über 50 Jahren nach Eschwege – erst mit einer Raupe, jetzt mit einem Musikexpress und zwischenzeitlich auch mit einem Riesenrad. Zudem gehört ein Fischimbiss zum Angebot. Foto:  Wüstefeld

In gut zwei Wochen beginnt das Johannisfest in Eschwege. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, die Schausteller sind alle gebucht - einige von ihnen stellen wir in loser Reihenfolge vor dem Fest vor. Beginnen werden wir mit der Familie Nier aus Kassel, die schon seit mehr als 50 Jahren ihre Fahrgeschäfte auf dem Festplatz aufbaut.

Kassel/Eschwege. Eine Woche im Norden, eine Woche in Baden-Württemberg, dazwischen ein paar Tage Pause: Wenn Sylvia und Bernd Nier aus Kassel auf ihrem Hof in Kassel stehen, bleibt das Schausteller-Ehepaar gleich in seinem riesigen Wohnwagen leben.

„Es lohnt sich für die paar Tage nicht, ins Haus zu ziehen“, begründet die 50-jährige großgewachsene Frau. Außerdem habe man in dem Wohnwagen, der wie eine kleine Wohnung eingerichtet ist, alles, was man braucht - denn der ist das Zuhause der Familie, wenn es wieder auf Reisen geht. Die nächste führt die beiden mitsamt ihren Kindern nach Eschwege zum Johannisfest, das am 30. Juni beginnt und am 4. Juli endet.

„Auf dem stehen wir schon seit mehr als 50 Jahren“, erzählt Bernd Nier, der das Geschäft seines Vaters Herbert übernommen hat. Der kann mit seinen 86 Jahren zwar nicht mehr zu den Festen und Kirmes-Veranstaltungen mitfahren, passt aber auf die zurückgebliebenen Transporter auf, die nicht mit zu den Festen fahren.

„Angefangen haben wir mit einer Raupe“, erinnert sich Herbert Nier. Das war wie der heutige Musikexpress, nur mit dem Zusatz, dass sich darüber eine Plane gewölbt hat. „Man hat dann alles gefühlt und nichts mehr gesehen“, erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln.

Ersetzt wurde die Raupe dann später durch den Musikexpress Starlight, der den Eschweger Besuchern durch sein Funkeln sofort ins Auge springt. „In diesem Jahr kommen wir aber mit einer ganz neuen Optik daher“, verrät Sylvia Nier, die selbst aus einer Schausteller-Familie kommt und ihren heutigen Mann auf einer Kirmes kennengelernt hat. „Wir sind gespannt, wie das ankommt.“ Der Platz - vor dem Eingang zu den Kleingärten - sei aber der gleiche.

Pause gibt es für sie, ihren Mann und ihre zwei Kinder, die unterwegs beschult werden, kaum. Bis Ende Dezember geht die Saison, ihre freie Zeit beginnt erst, wenn der Weihnachtsmarkt in Kassel seine Pforten schließt. Bis in den März hinein ist dann Urlaub angesagt - „und mit den ersten Sonnenstrahlen kribbelt es dann aber auch schon wieder, wir wollen dann los“, erzählt Bernd Nier. Oft geht die Fahrt an ein gemeinsames Ziel: „Ich habe den Fischimbiss meiner Schwiegereltern vor drei Jahren übernommen, mit dem stehe ich auch auf dem Johannisfest gegenüber vom Festzelt“, sagt Sylvia Niers, die dort Produkte aus nachhaltigem Fischfang anbietet.

Manchmal komme es aber auch vor, dass sie und ihr Mann auf getrennten Veranstaltungen, für die sie sich schon im September für das Folgejahr bewerben, stehen. „Zehn Tage der räumlichen Trennung sind dann schwer, weil wir ja sonst ständig zusammen sind.“ Aushalten können das beide nicht: „Mein Mann kommt mich dann schon mal besuchen“, freut sich Nier.

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