Schinkengericht der Eschweger Schützen: Zwangs-Bier und ein Duett

Gemütlich Bier trinken geht anders: Simon Bartels (von links), Michael Schmidt, Klaus Wolf und Holger Weske mussten zusammen aus einem Meter Biere trinken, ohne die Gläser herauszunehmen. Staatsanwalt Alexander Heppe (rechts) sprach das Urteil. Fotos: Künemund

Eschwege. Das Eschweger Schützenfest ist mit dem Schinkengericht zu Ende gegangen. Bürgermeister Alexander Heppe trat als Staatsanwalt auf, um die Verstöße gegen Recht und Ordnung zu bestrafen - mit Augenzwinkern.

Eschwege. „Zu Hause zu feiern ist schon famos, doch in Regen sind die Schoppen fünfmal so groß.“ Wenn Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe den Bäcker Klaus Wolf und Stadtverordnetenvorsteher Claus Hamp dazu verdonnert, zusammen dieses Lied zu trällern, kann das nur eins bedeuten: Das deutsche Rechtssystem ist im Schützenheim am Leuchtberg außer Kraft gesetzt und wird vom Schinkengericht abgelöst.

So war es traditionell beim Abschluss des diesjährigen Eschweger Schützenfestes am Montagnachmittag. Dort trat Heppe als Staatsanwalt auf, der Verstöße gegen Recht und Ordnung der Schützengemeinschaft im vergangenen Jahr ahndete. Die Sanktionen waren meistens eine Mischung aus einem Beitrag in die Vereinskasse, genannt „Kralle“, und einer Darbietung der Angeklagten auf der Bühne.

„Schön, in eure angsterfüllten Gesichter zu blicken“, sagte er eingangs. Das Recht auf Verteidigung oder Einspruch obliege keinen Angeklagten, fuhr Heppe fort. Als erste knöpfte er sich die Schützenbrüder Wilfried Thiel und Herbert Nitschke vor. Beim Festumzug am Sonntag hatten die beiden Regenschirme dabei, boten aber keinem Schützenbruder, nicht mal einer Schützenschwester an, sich bei einer Schauer mit darunter zu stellen. „Ihr Minus-Kavaliere“, schrie Heppe zornig ins Mikrofon. Die Folge: Beide löhnten je 20 Euro in die Kralle. Genauso dran glauben mussten die Vereins-Vizepräsidenten Simon Bartels und Christoph Hoehl, die den Umzug falsch herum in den Kreisverkehr beim Euronics geführt haben. „Ihr habt viele Menschenleben gefährdet“, haderte Heppe.

Auch das scheidende Königshaus (Klaus Wolf, Michael Schmidt und Henning Bartels) nahm Heppe ins Gebet. In einem eigens komponierten Lied bezeichnete er sie als „frech, verboten, ein Haufen von Chaoten“ und warf ihnen vor, bei ihren eigentlich repräsentativen Besuchen auf Festen immer nur „Schützenbräute klar gemacht, gesoffen und randaliert zu haben.“

Wegen einiger Bilder posierend vor Bier-Metern mussten sie mit ein paar anderen „Freiwilligen“ zusammen einen halben Meter Bier trinken, ohne die Gläser herauszunehmen. „Und wehe ihr macht mir Flecken“, drohte Heppe. Am Ende blieb alles trocken im Schützenheim - zumindest im wörtlichen Sinn.

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