Der Schreihals der Nation

Hans-Joachim Heist erläutert das Hassknecht-Prinzip in Eschwege

Aufregen ist seine Passion: Hans-Joachim Heist, bekannt für seine Rolle als Choleriker Gernot Hassknecht, brachte das Publikum in der Stadthalle zum Johlen. Foto: Weber

Eschwege. Gernot Hassknecht hat ‘nen Hals. Sooo ‘nen Hals! Mit der bliebten Figur aus der ZDF-Heute-Show hat der Schauspieler Hans-Joachim Heist gewissermaßen dem Wutbürger ein Gesicht gegeben.

Ihn dabei zu beobachten, wie er sich in bester Rumpelstilzchen-Manier an den unterschiedlichsten Themen abarbeitet, immer am Rande des Herzanfalls, ist köstlich. Wie populär die Figur ist, wird auch in Eschwege deutlich, wenn Gernot Hassknecht in der nahezu ausverkauften Stadthalle von einem sehr jungen Publikum gefeiert wird, wie ein Popstar. Wie eine Größe der Comedy-Szene, wie Mario Barth oder Michael Mittermeier. Das ist für den Schauspieler Heist, der sonst mit eher leiseren Programmen wie Heinz-Erhardt-Gedichten oder dem „Dinner for One“ auftritt, wahrscheinlich auch eine neue Erfahrung.

Und natürlich erfüllt er die Erwartungen, wenn er gleich mal lästert. „Eschwege? Also ich sehe hier Frisuren vor mir, von denen ich dachte, sie seien mit dem Ende der DDR untergegangen.“ Das Publikum johlt. „Ja, ja, das müsst ihr jetzt schon mal aushalten“, schiebt er nach. Das tun sie, denn deshalb sind die Leute ja gekommen, um einen, der das Aufregen zur Kunstform gemacht hat, live zu erleben.

Bei Hassknecht macht der Ton die Musik. Und der Ton ist laut. Manchmal ist er politisch: „Flüchtlingskrise? Da sieht Sigmar Gabriel endlich auch mal überarbeitet aus und nicht nur überfressen.“ Manchmal unpolitisch: „Wenn man nur eine Minute RTL2 schaut, sterben mehr Gehirnzellen ab als wenn man sich eine Stunde lang mit dem Hammer auf den Kopf haut“, schreit er. Überhaupt, die Schreierei ist das A und O bei dieser Figur, das will das Publikum sehen. Da kommt Heist seine langjährige Theater-Erfahrung zugute. Die Stimme sitzt auf dem Atem. Das ist wichtig, wenn man jeden Abend drei Stunden spielen will, ohne sich heiser zu schreien. Doch findet er auch leise Töne. „Pegida? Zu Risiken und Nebenwirkungen von Nazi-Aufmärschen lesen Sie ein Geschichtsbuch oder fragen sie ihre Großeltern.“ Oder: „Pofalla ist jetzt bei der Bahn – als ob die nicht schon genug Probleme hätten.“

In seinen Redepausen zeigt Hans-Joachim Heist die schönsten Auftritte von Gernot Hassknecht in der Heute-Show. Am Ende einer routinierten Show erntet er dafür kräftigen Applaus. „Und jetzt aber schnell nach Hause: Heute-Show schauen!“

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