Politiker auf dem Prüfstand

Mehr an Politik teilhaben: Schüler des Oberstufengymnasiums im Gespräch mit den Kreistagsfraktionen

Gespräch mit Politikern: Joseph Roeder, Johanna Kaestner und Calvin Grede sowie Politik-Lehrer Gerd Strauß (von links) haben mit Kreistagsabgeordneten diskutiert. Foto: Sagawe

Eschwege. Schüler möchten stärker an Kommunalpolitik teilhaben und wünschen sich von der Politik mehr Bereitschaft, Bürger in das Geschehen einzubinden. Das wurde bei Gesprächen zwischen OG-Schülern und den Kreistagspolitikern mehr als deutlich. 

Eine Einwohnerfragestunde während der Sitzungen der Kommunalparlamente sowie ein Internet-Live-Stream von den Debatten nannten Abiturienten des Eschweger Oberstufengymnasiums (OG) als Beispiele für wünschenswerte Veränderungen.

Vertreter von fünf der sechs Kreistagsfraktionen diskutierten jetzt mit den Schülern des Leistungskurses Politik und Wirtschaft. „Wir sind froh, dass die Politiker zu uns gekommen und auf unsere Fragen eingegangen sind“, sagt Johanna Kaestner nach der Gesprächsrunde mit dem stellvertretenden Kreistagsvorsitzenden Karl Jeanrond (SPD) sowie Lothar Quanz (SPD), Bernhard Gassmann (Die Linke), Wilhelm Gebhard (CDU), Armin Jung (Bündnis 90/Die Grünen, und Dr. Claus Wenzel (FWG) als Vertreter der Fraktionen. „Es war uns wichtig, ins Gespräch zu kommen“, so die Schülerin. 

Von Fragestellungen abgewichen

Das sei dann aber nicht immer gelungen. Die Kreistagsabgeordneten hätten zuviel Redezeit beansprucht, Antworten seien von der Fragestellung abgewichen. Dennoch findet Calvin Grede, dass sich die Kommunalpolitiker auf die Fragen der Schüler eingelassen haben. „Wegen der unterschiedlichen Ansichten sind wir erst in die Diskussion gekommen“, sagt er. Politiklehrer Gerd Strauß geht es um die Partizipation der Menschen am politischen Geschehen. Die Frage, wie Bürger beteiligt werden können, sieht er als Ausgangspunkt; moderne Medien zur Übertragung der Kreistagssitzungen als mögliche Antwort - auch vor dem Hintergrund geringen Interesses an den Themen. „Beschlüsse des Kreistages betreffen die Bürger oft nicht so direkt“, sagt Strauß.

Das Interesse der OG-Schüler ist immerhin geweckt. Kreistagssitzungen in Zukunft öfter verfolgen zu wollen, kündigt Joseph Roeder an. Gestört an der Haltung seiner Gesprächspartner aus dem Kreistag hat ihn die fehlende Bereitschaft, sich mit Extremparteien wie der AfD oder der NPD inhaltlich auseinandersetzen zu wollen. „Es ist problematisch, wenn sie sagen, dass sie erleichtert sind, dass die AfD nicht im Kreistag ist und sie so nicht mit ihr reden müssten.“ Das sei undemokratisch, findet Joseph Roeder, und Calvin Grede sieht darin „ein falsches Signal“.

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