Als die Schule mädchenfrei war

Viele persönliche Erinnerungen bei Podiumsdiskussion in der Friedrich-Wilhelm-Schule

Diskutierten anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der Friedrich-Wilhelm-Schule: Hartmut Holzapfel (von links), Lena Arnoldt, Jürgen Zick, Lothar Quanz und Stefan Reuß. Foto:  Weber

Eschwege. Fünf Diskutierende auf dem Podium, vier davon hatten entweder als Schüler oder als Lehrer die Friedrich-Wilhelm-Schule besucht. Gemeinsam wollten sie zum Jubiläum der Schule über Schulpolitik reden: Hartmut Holzapfel, ehemaliger Hessischer Kultusminister, die Landtagsabgeordnete der CDU, Lena Arnoldt, der Landtagsabgeordnete der SPD, Lothar Quanz, sowie Eschweges Ehrenbürgermeister Jürgen Zick. Letzterer deutet auf Landrat Stefan Reuß und sagt: „Aber wie man sieht, kann man es auch zu etwas bringen, wenn man die FWS nicht besucht hat.“ Aber nur gerade so, schwang augenzwinkernd darin mit.

Damit war der Ton des Abends gesetzt, leicht, sachlich aber unterhaltend. Obwohl die Diskussion später noch mehr emotionales Gewicht gewinnen sollte. Hartmut Holzapfel besuchte die FWS von 1955 bis 1964 – in einer anderen Zeit, wie es scheint. Einer Zeit ohne Mädchen einerseits, doch andererseits übte eine Schule damals juristisch das „besondere Gewaltverhältnis“ über ihre Schüler aus, wie es heute noch im Bereich von Gefängnissen oder im Militär gilt. Doch Holzapfel arbeitete seinerzeit bereits aktiv daran mit, die strikten Strukturen aufzubrechen und für Freiheit zu streiten. Als Chefredakteur der Schülerzeitung „Laterne“ erstritt er vor dem damaligen Kultusminister den Grundsatz, dass auch Schülerzeitungen dem Presserecht unterliegen und die Schule keinen Einfluss auf den Inhalt nehmen dürfe. „Ich habe damals gelernt, dass es sich lohnt, zu opponieren“, sagt er. Lothar Quanz gab zu, dass er noch im Studium eigentlich kein Lehrer werden wollte. Doch was er an der FWS dann lernte, nimmt er heute noch in die schulpolitische Diskussion im Landtag mit: „Man darf nicht immer nur darauf schauen, was Schüler nicht können, im Gegenteil, man muss die Schüler stärken, in dem, was sie stark macht.“ Die Schule hat heute wie damals einen Bildungs- und Erziehungsauftrag, betonte Zick. Aber muss sie reparieren, was in der Erziehung in den Familien schiefläuft? Wie viel Wettbewerb müssen sich Schulen untereinander stellen? Haben wir in Deutschland ein gutes Schulsystem? Was kann und muss Schule heute leisten, und welche Erwartungen sind zu hoch gesteckt? Die Fragen wurden lebhaft diskutiert.

Am Ende fiel Lena Arnoldt die Aufgabe zu, die Schulpolitik des Landes Hessens zu verteidigen, was sie deutlich ins Schwitzen brachte. Denn dass 300 Lehrerstellen aus dem Gymnasial- und Grundschulbereich „umgelenkt“ werden sollen für Deutschunterricht an Flüchtlingskindern und Intensiv-Beschulung stieß im Auditorium auf wenig Verständnis. Stattdessen wurde gefordert, dass 300 Lehrer dafür zusätzlich eingestellt werden sollen, um die Lehrerschaft, die ohnehin schon an ihrer Belastungsgrenze arbeite, zu entlasten. Jürgen Zick zeigte sich mit der kontrovers geführten Diskussion sehr zufrieden. „Zu argumentieren, das ist doch das Salz in der Suppe“, sagte er.

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