Trotz Schulabbruchs jetzt Berufskraftfahrer

Steiniger Weg zum Traumjob: Mehrere Schulen und Ausbildungsstellen brachte Hartmut Christian Künzel nicht zum Abschluss. Eine sechsmonatige Ausbildung zum Berufskraftfahrer, von der Agentur für Arbeit vermittelt, verhalf ihm nun zu einer Festeinstellung. Foto: Deppe

Großalmerode. „Ich habe schon immer lieber eine Schippe in die Hand genommen, als mich in die Schule zu setzen“, sagt Hartmut Christian Künzel und fasst damit seinen bisherigen Lebensweg treffend zusammen. Unstetigkeit kennzeichnet seinen Werdegang, und doch ist er nun dort gelandet, was er als Traumjob von Kindheitsbeinen an bezeichnet: Der 24-Jährige ist als Berufskraftfahrer angestellt in der Firma seines Vaters.

Kein Abschlusszeugnis

Mehrere Schulen hat er besucht, mit Problemen in Mathe und Fremdsprachen waren seine Noten nie zufriedenstellend. Am Ende verließ er die Freie Waldorfschule in Eschwege mit nicht mehr als einem Abgangszeugnis in der Hand.

„Ich wollte dann einfach direkt arbeiten, aber das ging nicht“, sagt er. Auch sein Bemühen um eine Ausbildungsstelle blieb erfolglos. Bei einer Arbeitsmaßnahme in der Orthopädischen Klinik in Hessisch Lichtenau blieb er ein Jahr lang, obwohl er sich von Beginn an unwohl fühlte.

Über einen Bekannten bekam er bald einen Ausbildungsplatz bei einem Heizungssanitär-Unternehmen und stand vor einem alten Problem: „Die Arbeit hat Spaß gemacht, aber ich musste ja auch zur Schule gehen. Und das wollte ich nie wieder.“ Nach anderthalb Jahren gab er auf.

Sein Vater sprang für ihn in die Bresche und ließ ihn im Familienunternehmen für Straßen- und Tiefbau arbeiten. Doch obwohl diese Anstellung seinen Wünschen entsprach, gab es auch dort Probleme. Ohne Berufsausbildung war er nicht befugt, eigenständig Aufgaben zu übernehmen. „Da kam ich mir blöd vor, immer von den anderen Arbeitern abhängig zu sein“, sagt er und träumte von einem Lkw-Führerschein. „Ich habe mir das vorher einfach nie zugetraut, weil ich beim Autoführerschein schon große Probleme hatte.“

Agentur für Arbeit hilft

Entmutigen ließ sich Künzel jedoch nicht. Er entsann sich seines Traumjobs und bat nach einer weiteren Kurzanstellung die Agentur für Arbeit um Unterstützung. Er wollte den Lkw-Führerschein machen, um im Familientunternehmen endlich eigenständig arbeiten zu können.

„Eine versäumte Berufsausbildung führt häufig in einen Kreislauf von Aushilfstätigkeiten und Arbeitslosigkeit und somit in die Abhängigkeit von Sozialleistungen“, sagt Dieter Hesse, Leiter der Arbeitsagentur in Kassel.

Abschluss bei der IHK

Um das zu verhindern, hängte sich Künzel noch einmal voll rein und bestand die Prüfung zum Berufskraftfahrer vor der Industrie- und Handelskammer. Mit dem Abschluss in der Tasche stellte ihn sein Vater erneut ein.

Mittlerweile ist Künzel für mehrere Baustellen eigenverantwortlich. Um dort nicht allein zu sein, nimmt er häufig den behinderten Bruder seiner Freundin mit. „Dann bin ich nicht so allein, und er ist glücklich, wenn er etwas helfen kann“, sagt er. Doch auch wenn Künzel nun da angekommen ist, wo er immer hin wollte, räumt er rückblickend ein, „dass ich mich in der Schule wohl mal besser etwas angestrengt hätte. Das hätte mir viel erspart.“

Von Lasse Deppe

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