Am Bahnhof wird für die NS-Opfer auch ein Denkmal enthüllt

Schweigemarsch für die deportierten Juden

Um die Erinnerung an diese Ereignisse wachzuhalten und vor allem der Opfer zu gedenken, wird am kommenden Donnerstag, 6. September, zum ersten Mal in der Eschweger Nachkriegsgeschichte ein Schweigemarsch für die deportierten Juden stattfinden.

Eschwege. Nur ein einziger Koffer war ihnen jeweils geblieben, als sie sich im Morgengrauen des 6. September 1942 auf Geheiß der Eschweger Nazis vor dem Hochzeitshaus versammeln mussten. Hier hatten alle 55 Juden aus Eschwege und umliegenden Dörfern, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Konzentrationslager gebracht worden waren, schon die Nacht verbringen müssen. Von den Schikanen der Nationalsozialisten gezeichnet und ihrer gesamten bürgerlichen Existenz bereits beraubt, warteten sie zusammengepfercht auf den nächsten Befehl. Schließlich war es soweit, die Eschweger Polizisten trieben sie durch die Stadt zum Bahnhof, um 5.30 Uhr mussten sie in jenen Sonderzug steigen, der sie alle in den Tod bringen sollte.
Fotos

Außerdem wird am neuen Stadtbahnhof ein Denkmal enthüllt: Der in Bronze gegossene Koffer soll laut Stadtarchivar Dr. Karl Kollmann „allen heutigen Nutzern der Bahn den damaligen Wahnsinn eines totalitären Systems vor Augen führen.“ Schon am Vorabend des Schweigemarsches, an dem alle Bürger teilnehmen können, wird die Wanderausstellung „Sonderzüge in den Tod“ der Deutschen Bahn in den Räumlichkeiten der Sparkasse Werra-Meissner eröffnet.

Auf 40 Tafeln wird an Deportation hunderttausender Menschen durch die damalige Reichsbahn in nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager erinnert. Auch Monica Kingreen vom Fritz-Bauer-Institut wird zu diesem Anlass sprechen. Sie gilt als Expertin für Deportationen aus Nordhessen. Die Wanderausstellung wird dann bis Anfang Oktober in Eschwege zu sehen sein. Von Melanie Salewski

Kommentare